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Kamera-Testberichte

Nikon D90 Erfahrungsbericht

Holger Wahl (Holger)


Keywords: nikon, bodies, d90

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Nikon D90 im richtigen Leben

Die D90 war vom Namen her keine grosse Überraschung, schon Monate vor ihrem Erscheinen war die Nikon-Welt selbst ohne Gerüchteküche davon überzeugt, eine Consumer-Variante der D300 könne nicht mehr lange auf sich warten lassen. Und dass sie D90 heissen würde, das war schon klar, als die D80 vorgestellt wurde.

Mein erster Eindruck, als ich sie dann auf dem Bildschirm sah, war demnach wenig euphorisch: eine D80 mit besserem Sensor, so sah es zumindest auf den ersten Blick aus. Als ich dann aber das "Kleingedruckte" las, war ich doch mächtig überrascht: nicht nur der Sensor wurde in das kleine Gehäuse verpflanzt, sondern auch noch die meisten der sonstigen D300-Eigenschaften wie der wunderbar grosse und hochauflösende Bildschirm auf der Rückseite der Kamera oder die Staubentfernung auf dem Tiefpass-Filter vor dem Sensor. Und als Sahnehäubchen obendrauf noch die Möglichkeit zu Filmen.

Zeitgleich stellte Nikon ein neues Standard-Objektiv für die D90 vor: AF-S 18-105mm / f3.5-5.6 G ED VR. Von den Daten, dem Zoom-Umfang und den Kosten her eine optimale Lösung. Und mit einem hohen Anspruch: denn das erste DX-Standard-Zoom AF-S 18-70mm, das mit der D70 das Licht der Welt erblickte, hat trotz seines etwas eingeschränkten Zoom-Umfangs den guten Ruf der Nikon-DSLR's mit begründet, vor allem durch die (vor allem im Vergleich zum Billig-Standard-Zoom der Konkurrenz) hervorragende Abbildungsleistung und fühlbare mechanische Qualität. Die Latte liegt also hoch, zumal mit dem AF-S 18-200mm G ED VR und dem kleineren Bruder mit dem Bereich 16-85mm schon zwei überdurchschnittlich gute (aber auch teure) Alternativen den Karpfenteich bevölkern.

Konzentrieren wir uns im Rahmen dieses Berichtes aber auf die Kamera.

Vorweg: dies ist kein Bericht für Technik-Freaks. Wer genaue Daten, Lautstärke-Messungen des Auslösers, Millisekunden vom Einschalten bis zur Betriebsbereitschaft sucht, der sei auf die Nikon-Homepage und die bekannten Test-Seiten verwiesen. Mich hat die Kamera aus dem Blickwinkel des Anwenders interessiert, und diese Eindrücke findet Ihr nachfolgend.

Nun gibt es ja nicht "DEN" Anwender, sondern jede Menge verschiedene Erwartungen an die Kamera und deren Einsatzgebiet. Folgende Konstellationen tauchen aber in den Fragen auf unserem Forum immer wieder auf:

  • ist die D90 eine gute Einsteiger-Kamera, oder ist sie zu kompliziert?
  • ich habe eine D40(x)/D70(s)/D80, soll ich die D90 kaufen oder doch auf die D300 sparen?
  • soll ich eine gebrauchte D200 oder doch eine neue D90 kaufen?
  • ist die D90 ein sinnvolles Zweitgehäuse für meine D300?

Die Formatfrage DX/FX (die sich vor allem seit dem Erscheinen der D700 stellt) lasse ich weg, der Kostensprung dahin ist einfach zu gross (und ich würde in zwei Monaten noch schreiben). Betrachten wir aber erst einmal die zentralen Eigenschaften der Kamera. Die Antworten auf die Fragen ergeben sich dann teilweise von alleine.

 

Nikon D90 Front - Nikonians

Nikon D90 - Frontansicht


Gehäuse

Das Gehäuse entspricht in der Grösse dem der D80, ist also um einiges kleiner als das der D70(s) und natürlich auch als das der D200/D300. Es ist aussen vollständig aus Kunststoff gefertigt, innen gibt es ein Aluminium-Chassis, was aber kein Nachteil ist, da aktuell kein Kamerahersteller so gute (objektiv wie subjektiv) und in sich schlüssige Gehause baut wie Nikon. Anders als die D300 verfügt sie über keine Abdichtung gegen Regen oder Staub, so dass der Reportagearbeit unter solchen Bedingungen Grenzen gesetzt sind.

Die Bedienelemente zeigen klar die Zuordnung der Kamera zum Consumer-Bereich, was nicht unbedingt ein Nachteil ist. Das betrifft die sofort sichtbaren Elemente wie das Programmwahlrad genauso wie die Menüführung auf dem Bildschirm. Vor allem hier ist die Verwandtschaft zur D60 ein klarer Vorteil gegenüber älteren Nikons: obwohl die Menge der Einstellungen immer mehr ins Kraut schiesst, ist die Menüstruktur und die Bedienung im Menü sichtbar besser als bei älteren Nikon DSLRs.

Akku und Multifunktionshandgriff

Die D90 besitzt den selben Akku wie die D80, D200 und D300, den EN-EL3e Akku. Mit der D80 teilt sie sich auch den Multifunktions-Handgriff. Nicht jeder ist ein Freund dieses Handgriffs, da er die Kamera grösser und schwerer macht. Ich liebe die Dinger jedoch, weil die Kamera damit ruhiger zu halten und stabiler zu greifen ist. Zudem passen in den Griff zwei Akkus, oder auch 6 Standard AA-Akkus, so dass man auch auf billigere Normteile zugreifen kann. Die Leistung der Akkus ist erstaunlich: mit der Test-Kamera (ohne Handgriff, also nur mit einem Akku) habe ich über 500 Bilder gemacht, und der Balken für die Batterie-Anzeige ist gerade mal von Voll auf ¾-Voll gerutscht. Geholfen hat dabei sicherlich, dass ich grundsätzlich ohne den internen Blitz arbeite.

Die Einstellräder

Mit den grösseren Nikons teilt sich die D90 das vordere Einstellrad. Während die D40/D60 nur über ein Einstellrad hinten auf Höhe des Auslösers verfügt und einige Funktionen dann mit einer Kombination aus Knöpfchen drücken und Rad drehen gelöst werden, sind diese Funktionen bei der D90 separat ohne zusätzliches Drücken erreichbar. Die Funktionen der Einstellräder hängen davon ab, was man gerade macht. Das Hauptrad ist das hintere, mit ihm lassen sich bei Auswahl einer Funktion (z.B. ISO-Einstellung) die verschiedenen Werte durchblättern. Bei manueller Belichtungssteuerung wird am hinteren Rad die Belichtungszeit eingestellt, am vorderen dann die Blende. Diese Funktion kann man sich ganz einfach merken, wenn man einmal mit alten mechanischen Kameras gearbeitet hat: am Objektiv wurde die Blende verstellt (darum das vordere Einstellrad, auf der Seite des Objektivs), oben am Gehäuse die Zeit (darum das Gehäuseseitige, hintere Einstellrad für die Zeit).

Das zweite Einstellrad ist eine der wesentlichen Gründe für alle, die nicht nur im reinen Automatik-Modus arbeiten wollen (oder ein späteres „Wachstum“ nicht ausschliessen möchten), die D90 statt der kleineren Schwestern zu kaufen. Der direkte Zugriff auf Funktionen macht die Bedienung wesentlich einfacher und schneller.

Ein weiteres Detail, das die D90 von der D40/D60 unterscheidet, ist ein kleiner Hebel ein Stück unterhalb des hinteren Drehrades, mit einem Punkt und dem Buchstaben „L“ zur Auswahl. Dieses Hebelchen blockiert in der Position „L“ (für LOCK) die Schaltwippe, so dass man nicht aus Versehen einen anderen Fokus-Sensor auswählt, wenn man z.B. mit dem mittleren arbeiten möchte. Wer die Scharfstellung nicht komplett der Kamera überlässt, sondern selber Einfluss nehmen möchte, dem sei die D90 alleine aus diesem Grund schon empfohlen. Ich habe mehr als ein Bild an der D40 verschossen, weil ich aus Versehen an die Schaltwippe gekommen war und der Fokus an einer Stelle gemessen wurde, die ganz jenseits der Realität lag.

Die Speicherkarte

Auf der rechten Seite (vom Fotografen aus gesehen) befindet sich die Klappe, unter der die SD- oder SDHC-Karte haust. Sehr praktisch, ohne separaten Hebel, sie wird zum öffnen einfach nach hinten gezogen, eine Feder hält sie dann offen. Die Verwendung von SDHC-Karten ist ein Segen für alle, die von der D40/D60/D80 kommen, ein Fluch für D70-Fotografen, die ihre schönen CF-Karten erst einmal in Pension schicken dürfen. Allgemein halte ich die SD-Karten in diesem Bereich für eine ganz gute Lösung, da auch viele Laptops und andere Speichereinrichtungen über einen solchen Slot verfügen und die Daten ohne Zusatzgeräte und ohne die Kamera über USB verbinden zu müssen schnell auf ein Speichermedium übertragen werden können. Wirklich mögen tue ich sie aber auch nicht, zu klein, zu leicht, vor allem im Getümmel einer Hochzeit oder eines Festes ist mir die robuste CF-Karte doch lieber. Aber das ist Geschmackssache.


Anschlüsse

Die ganze linke Seite ist von zwei Gummiklappen belegt, unter denen sich die Anschlüsse verbergen. Die kleinere unten am Gehäuse ist nagelneu, hier steht "GPS" drauf, offensichtlich der Anschluss für den neuen GPS-Tracker von Nikon, den GP-1. Ich habe das Gerät noch nicht ausprobiere können, vor allem für die Reisefotografie dürfte das eine schöne Sache sein, zumal auf MyPictureTown (Nikons Online-Bilderalbum für Nikon-Fotografen) jetzt auch die Möglichkeit der geographischen Anzeige des Aufnahme-Standortes besteht. Ich bin gespannt darauf!

Die weiteren Anschlüsse sind bekannt, ein schneller USB 2.0-Kontakt gehört genauso dazu wie DC-IN, AV-OUT, HDMI (für die hochauflösende Darstellung auf entsprechenden Bildschirmen, Foto genauso wie Film).

Vorderseite

Auf der Vorderseite hat sich nicht viel getan, links am Prismengehäuse sind zwei Knöpfe, mit denen der Blitz manuell ausgeklappt bzw. die Blitzbelichtungskorrektur eingestellt werden kann, darunter der Knopf für die Einstellung von Belichtungsreihen. Weiter unten noch die Objektiventriegelung und der Hebel für die Umschaltung zwischen Autofokus und manueller Scharfstellung. Auf der anderen Seite des Objektives gibt es den Knopf, mit dem auf die Arbeitsblende geschaltet wird. Den hatte ich bei der D70 wirklich vermisst, man kann nämlich wunderbar prüfen, wie die tatsächliche Tiefenschärfe bei der verwendeten Blende aussieht (da die Kamera ja normalerweise dem Anwender immer die vollständig offene Blende zeigt und erst beim Auslösen die Blende geschlossen wird).

Oberseite

Oben sieht die Welt noch gleich aus wie bei der D80, D70-Nutzer müssen sich dagegen etwas umstellen. Sie werden aber die Zusammenfassung der Knöpfe für AF-Betriebsart, Belichtungsmessart und Bildfolgemodus in einer Gruppe hinter dem Auslöser genauso begrüssen wie die Verlegung der Beleuchtung des oberen Bildschirms vom separaten Knopf in den An/Aus-Ring um den Auslöser. Das sind die Punkte, die typisch für Nikon sind: einfache, logische Bedienung, absolut perfekt.

Rückseite

Auf der Rückseite fällt natürlich zentral der grosse Bildschirm ins Auge. Mit 920.000 Pixeln und 3 Zoll Diagonale ein Prachtstück, zur entspannten Menübedienung genauso wie zur Bildbeurteilung und neu per Live View auch zur Komposition bei der Aufnahme. Anders als bei der kleinen D40/D40x/D60 ist auch der Monitor der D90 serienmässig mit einer Abdeckung geschützt, die ausgewechselt werden kann. Einerseits ist sie bei mir immer auf dem Monitor drauf, andererseits fluche ich immer wieder leise, wenn sich Staub zwischen Monitor und Abdeckung sammelt und bei kritischen Lichtverhältnissen (vor allem Seitenlicht) das Bild verschleiert. Man kann nicht alles haben...

Nikon D90 Back - Nikonians

Nikon D90 - Rückansicht

Die grundsätzliche Anordnung der Knöpfe hat sich gegenüber der D80 nicht verändert, dafür sind aber zwei neue dazugekommen und es hat eine sehr wesentliche Änderung gegeben: der OK-Knopf ist nun nicht mehr separat in der Landschaft verstreut, sondern in der Mitte der 4-Wege-Wippe angeordnet, mit der z.B. die Menüauswahl getroffen werden kann. Das „OK“ einfach in die Mitte der Wippe zu legen, das mag ein bisschen popelig klingen unter dem Titel „wesentliche Änderungen“, aber es sind gerade diese kleinen Dinge, die die Arbeit sehr erleichtern, oder aber auch sehr stören können.

Nachdem der OK-Knopf nun aus dem Weg ist, hat seine Stelle ein anderer neuer Knopf eingenommen: INFO. Mit dem INFO-Knopf können die wesentlichen Einstellungen der Kamera, die sonst auf dem oberen Display zu sehen sind, auf den grossen Monitor geholt werden. Und noch ein paar mehr. Das hört sich jetzt erst einmal doof an, schliesslich kann ich das ja auch oben auf dem kleineren Monitor betrachten. Eigentlich schon. Aber was ist, wenn die Kamera auf dem Stativ steht, zu hoch oder geneigt ist? Wenn diejenigen unter uns, denen altersbedingt die Arme zum Lesen zu kurz werden, auf dem kleinen Display nicht viel erkennen können? Es ist eine sehr schöne Sache, sich alles gross, lesbar und beleuchtet auf dem riesigen Monitor anzeigen lassen zu können. Und mit den Knöpfen links davon und dem hinteren Einstellrad die Werte für ISO, die Bildqualität oder den Weissabgleich einstellen zu können.

Live View

Der zweite, ganz neue Knopf trägt das Kürzel LV. Das steht für Live View, also Echtzeitbetrachtung. Als ich die Kamera bekommen habe, fand ich das ziemlich albern, schliesslich hat das Gerät einen wirklich hervorragenden Sucher. Wenn ich Bilder über Monitore schiessen wollte, hätte ich mir ja auch eine kleine Knipse kaufen können. Nun, das ist eigentlich korrekt, meine Meinung hat sich aber in dem Moment drastisch geändert, als ich eine Aufnahme von Bodenhöhe aus machen wollte, Weitwinkel, meinen Hund Kira im Vordergrund und den Herbstwald im Hintergrund. Im Sommer kein Problem, da legt man sich ins frische Gras, aber im nassen Herbstlaub und Schlamm sah das deutlich unbequemer aus. Also: LV drücken, es klackert kurz (weil der Spiegel hochklappt), dann erscheint das Sucherbild auf dem Monitor. Da der Monitor auch von der Seite aus gut einsehbar ist, konnte ich das Bild in Ruhe komponieren und abdrücken. Das ganze ist etwas gewöhnungsbedürftig (wegen der Spiegelklapperei). Ich halte es für eines dieser Dinge, die man selten braucht, aber wenn man sie dann braucht, dann ist man froh, dass die Kamera es kann. Optimal wäre dafür allerdings noch ein schwenkbarer Monitor, damit man wirklich am Boden und über Kopf arbeiten kann.

Weiter gibt’s auf der Rückseite der Kamera nichts Besonderes mehr, der Mülleimer zur Entsorgung unerwünschter Bilder ist genauso vorhanden wie die AE-L/AF-L Taste zur Speicherung der Belichtung und / oder Schärfe (via Menü) und ein kleines Rad zur Dioptrienverstellung. Letzteres wird zwar vor allem in den Fotozeitungen immer als grosse Errungenschaft gepriesen, wegen des kleinen Einstellbereiches des popeligen Rädchens ohne Skalierung empfinde ich persönlich diese Lösung eher als Ärgernis. Ein Aufsatz wie bei meiner FM2n mit einer klaren Dioptrien-Angabe wäre mir persönlich lieber, aber da mag ein jeder seine eigenen Präferenzen haben. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass dieses Teil eher für die Fotozeitungen bestimmt ist, damit sie keinen Grund zum Meckern haben. „Man“ hat schliesslich eine Dioptrien-Einstellung...

Sucher

Apropos Sucher: mit das Beste an der Kamera, vor allem, wenn man von der D40/D60 oder der D70 kommt. Wie schon ihre Vorgänger hat auch die D90 einblendbare Gitterlinien, die die Ausrichtung und die Einteilung des Bildes erleichtern. 11 AF-Messfelder liegen weit verteilt im mittleren Bereich des Suchers, unten sind die Einstellungen der Kamera zu erkennen, analog dem kleinen Monitor. Praktisch ist, dass analog zum kleinen Monitor auf der Oberseite der Kamera auch hier die Werte eingeblendet werden, wenn eine Taste gedrückt wird, z.B. der ISO-Knopf. Mit etwas Übung kann man die meisten Einstellungen an der Kamera vornehmen, ohne das Auge vom Sucher nehmen zu müssen.

Autofokus

Beim Autofokus gibt es ebenfalls Neues, auch wenn das AF-Modul mit den 11 Messpunkten noch das Selbe wie in der D80 ist. In den Individualfunktionen bei der Messfeldauswahl des Autofokus kann man jetzt neben Einzelfeld oder Dynamisch daher auch noch automatische Gruppierung und 3D-Tracking (11 Messfelder) auswählen.

Denn mit dem neuen Exceed-Prozessor und dem RGB-Sensor für die Belichtungsmessung hat die D90 wie ihre „grossen Brüder“ nun die Möglichkeit, Objekte aktiv zu verfolgen, wobei auch die Farbe berücksichtigt wird. Vor allem im Sport ist das eine feine Sache, vorausgesetzt, das Objektiv verfügt über einen schnellen Autofokus, und vorausgesetzt, man befindet sich im AF-C Modus, d.h. der kontinuierlichen Schärfenachführung. Bei AF-S (setzt die Schärfe fest, wenn sie einmal gefunden wurde) geht das natürlich nicht.

Die automatische Gruppierung führt zu einem Ergebnis, wie man es von den kleinen Knipsen kennt: mehrere AF-Felder leuchten gleichzeitig auf, für den Anwender ist auf einen Blick zu sehen, welche Bereiche im Bild scharf gestellt werden.

Im Live-View-Modus ist auch eine Gesichtserkennung dazugekommen. Ich habe das mal ausprobiert, und es scheint tatsächlich zu funktionieren. Und es ist eine feine Sache: nicht mehr Gesicht anpeilen, Schärfe speichern, dann Ausschnitt wählen und abdrücken, sondern einfach nur Ausschnitt wählen, die Kamera findet die Gesichter von alleine, und abdrücken.

Diese Möglichkeiten sind interessant und verbessern das Ergebnis beim vollautomatischen Einsatz deutlich, trotzdem ist es immer nur eine Verbesserung eines Automatismus, und das heisst, dass der Anwender letzten Endes nicht weiss, warum die Kamera jetzt auf genau dieses Ergebnis kommt. Persönlich ziehe ich daher die Einstellung auf ein Einzel-AF-Feld vor, stelle es auf das mittlere Feld fest und arbeite mit der AF-Speichertaste (AE-L/AF-L), diese Möglichkeiten gibt es natürlich nach wie vor.

Nikon D90 Fall Image - Nikonians

Herbstbild - Nikon D90 - 1/25s, f/5.6

 


Belichtungssteuerung

Der grösste Unterschied zu den professionellen Gehäusen sitzt bei der D90 auf der Oberseite: das Wählrad zur Einstellung der Belichtungssteuerung. Wie bei den Vorgängermodellen und der D40/D60-Reihe hat man hier neben den klassischen Einstellungen (Vollautomatik P, Zeitautomatik A, Blendenautomatik S und komplett manueller Einstellung M) die „intelligenten“ Programme.

Neben der grün markierten Einstellung „Auto“ (im Englischen auch Idiot-Mode genannt, weil die Kamera hier bis zum Blitz wirklich alles selber macht und die manuellen Eingriffsmöglichkeiten praktisch vollständig ausgeschaltet werden) und den diversen Sport-, Landschafts- und Portrait-Voreinstellungen ist eine ziemlich praktische Variante dazugekommen: Auto ohne Blitz. Das grösste Ärgernis an der „grünen“ Einstellung ist für fast alle Anwender, dass sie auch den Blitz automatisch ausklappt, selbst wenn das (in der Kirche oder in Museen) nicht erwünscht ist. Mit der Einstellung „ohne Blitz“ kann man die Kamera alles automatisch machen lassen, ohne befürchten zu müssen, von plötzlichem Blitzlicht erschreckt zu werden.

Kompatibilität

Die Kompatibilität ist bei Nikon legendär. Obwohl es mit der Kompatibilität im richtigen Leben nicht so ganz weit her ist, weil doch einige Einschränkungen vorliegen, hat Nikon es durch die Beibehaltung des F-Bajonetts geschafft, den Ruf des kompatibelsten Systems zu bekommen. Vor allem, weil Canon mit der Einführung der AF-Kameras einen vollständigen Bajonett-Wechsel vorgenommen hat, so dass riesige Mengen alter, aber guter manueller Canon-Objektive nutzlos verstauben.

Mit Kompatibilität ist dabei gemeint, dass auch alte manuelle Objektive auf jede neue Kamera passen, also auch ein 30 Jahre altes AI-Weitwinkelobjektiv auf die modernste DSLR. Das ist in der Tat eine ganz zentrale Eigenschaft des Nikon-Systems, erlaubt es doch den Zugriff auf einen riesigen Markt an gebrauchten Objektiven, so dass man auch als Amateur ohne Foto-Sponsor ausgefallene Optiken erwerben kann, eben gebraucht.

Leider teilt sich die D90 eine Eigenschaft mit der D80 und D70, die die Verwendung alter Objektive nur mit Einschränkungen zulässt: wenn das Objektiv nicht „gechipt“ ist, also keinen Computer-Chip zum Auslesen der Objektivdaten besitzt, dann ist keine Belichtungsmessung möglich. Das trifft auf praktisch alle manuellen Nikon-Objektive zu. So können die Objektive zwar verwendet werden, Schärfe und Belichtung muss aber vollständig von Hand einstellt werden, wie bei meiner guten alten Rolleicord. Bei statischen Objekten ist das kein Thema: dank des Bildschirms und des Histogramms lässt sich sofort prüfen, ob die Einstellungen stimmten, und ggf. ein korrigiertes Bild erstellen. Für Action- oder Sportfotografie ist das allerdings weniger praktikabel.

Damit ist die D90 zwar flexibler als die D40/D60, bei denen schon die „normalen“ AF-Objektive (also ohne AF-S, den direkten Antrieb des Autofokus im Objektiv) keine automatische Scharfstellung mehr möglich ist, aber nicht so flexibel wie die D300, mit der auch manuelle Objektive vollständig kompatibel sind.

Nikon D90 Herbstbild - Nikonians

Herbstbild - Nikon D90 1/40s, f/5.6

Film (im Sinne von Video natürlich)

Das Thema Film habe ich etwas aufgeschoben. Obwohl es das wichtigste Medienthema ist, ist die D90 in erster Linie ein Fotoapparat, keine Filmkamera. Und auch der Sensor und Verschlussmechanismus ist der eines Fotoapparates, das wird an einigen Details sehr deutlich sichtbar.

Die erste Frage nach der Inbetriebnahme der Kamera ist natürlich: wie Filme ich denn überhaupt? Ohne den Hinweis auf die Film-Möglichkeit gibt es nämlich kein Bedienelement an der Kamera, was den Schluss auf diese Eigenschaft zuliesse. Ein Blick in die Bedienungsanleitung sorgt dann aber für Klarheit:

LV-Taste drücken, der Spiegel klappt hoch und im Monitor erscheint das Sucherbild. Statt auf den Auslöser wie beim Live-View-Bild drückt man auf die OK-Taste in der Mitte der Schaltwippe, und los geht’s, die Kamera nimmt einen Film auf. Mit Mono-Ton, dazu gibt es kleine Löcher an der Frontseite der Kamera für das Mikro, und sehr gutem Bild.

Zum Beenden drückt man einfach wieder auf die OK-Taste. Anschauen lässt sich das Kunstwerk dann ganz normal mit der Replay-Taste links oben auf der Rückseite, sogar mit Ton. Die Qualität des HD-Bildes kommt dabei natürlich auf dem kleinen Bildschirm nicht rüber, dazu schliesst man die Nikon besser an den Fernseher an oder überträgt den Film auf den PC oder Mac.

Wie oben erwähnt gibt es aber doch einige Punkte, an denen die Priorität der Kamera fürs Fotografieren erkennbar ist. Zwar sind Auflösung (1280 x 768) und Wiederholungsrate mit 24 Bildern / s durchaus auf richtig hohem Niveau, die technische Umsetzung ist jedoch stark von den Anforderungen eines Fotoapparates geprägt. So gibt es keinen mechanischen Verschluss, d.h. die Bilder werden nicht „auf einmal“ aufgenommen, sondern es werden die Zeilen des Sensors von oben nach unten ausgelesen, dann wieder von Neuem von oben und so weiter. Im Prinzip ist das in Ordnung, ein Problem kann es nur bei Aufnahmen schneller Bewegungen geben, da diese zu einer diagonalen Verzerrung führen.

Die Blende muss vor dem Umschalten eingestellt werden und kann während des Filmens nicht mehr verändert werden. Gegenüber den kleinen Knipsen hat man zwar so den Vorteil, wunderschöne Filme mit geringer Tiefenschärfe dank offener Blende machen zu können, aber sie ist dann auch nicht veränderbar.

Die Lichtmenge wird ausschliesslich über die Sensorempfindlichkeit gesteuert, die Anpassung erfolgt etwas zögerlich und ruckhaft (Schwenk von hell nach dunkel führt zu einer sichtbar abgestuften Anpassung, keinem weichen Verlauf).

Das war’s dann aber auch schon mit der Kritik. Das Ergebnis liegt deutlich über dem der Mini-Knipsen, und wer mehr filmt, sollte sich unbedingt eines der guten alten AIS-Zooms (manuell) suchen, mit weichem Entfernungs- und Zoomring, damit sind Einstellungen möglich, die nah an die „professioneller“ Filmkameras herankommen. Wer allerdings in erster Linie eine Filmkamera sucht, dem sei an dieser Stelle doch ein spezifisches Produkt empfohlen, so gut die Bilder der Nikon qualitativ sind, in erster Linie ist sie ein Fotoapparat.

Diesen Film koennt ihr exclusiv im Nikonians D90 Forum anschauen.
D90 Der Eiger Nordwand Film.

Handling

Damit wären wir beim Umgang mit der Kamera im richtigen Leben angekommen. Aus allem, was ich oben geschrieben habe, geht ja schon hervor, dass die Kamera neben einigen Revolutionen auch und vor allem eine Evolution, eine in vielen Punkten optimierte Version ihrer Vorgängerinnen ist.

Wer von der D70 oder D80 kommt, der wird sich kaum umstellen müssen. Es ist fast alles wie vorher, nur besser. Bei Nikon sind es vor allem die Kleinigkeiten, die Position z.B. des Ein-/Aus-Schalters um den Auslöser herum, der Bildschirm, die Durchgängigkeit der Bedienung, die den Wert der Kamera ausmachen. All das, was mich an Nikon so fasziniert, sind genau diese Kleinigkeiten, nicht die grossen spektakulären Elemente wie riesige Pixelmengen oder HD-Filmen, sondern das Zusammenspiel aller Funktionen.

Ganz massiv hängt es natürlich davon ab, von welcher Seite man zur D90 kommt, ob aus dem D60/D70/D80-Lager, von Fremdfabrikaten, oder aber von Seiten der D200/D300/D700.

Erstere werden einen perfekten Qualitätseindruck erhalten: hochwertiger Kunststoff, enge und gleichmässige Fugen, alle Räder und Knöpfe rasten sauber und geben gute Rückmeldung an den Benutzer, der Sucher ist das Beste, was man im DX-Bereich finden kann, der Monitor sowieso. Die Hand findet perfekten Halt, im Griffbereich ist der Kunststoff aufgerauht und die Form schmiegt sich perfekt an kleine wie an grosse Hände. Alle Klappen sind ausreichend stabil, gut befestigt und sehen nicht so aus, als würden sie bei normalem Gebrauch abbrechen. Von allen Kameras, die in dieser Preisklasse derzeit am Markt sind, ist es nach meinem persönlichen Empfinden die derzeit beste Variante.

Die von „oben“ kommende Fraktion ist natürlich ein wenig verwöhnter, was das Handling betrifft. Wo sich bei der D200/D300 weicher Gummi an Finger und Stativplatte schmiegt, die Knöpfe sich auch mit Handschuhen bedienen lassen und das Gehäuse den Eindruck erweckt, als könne man damit zur Not auch einmal einen Nagel in die Wand schlagen, da fühlt sich bei der D90 natürlich alles etwas billiger an. Aber das ist sehr subjektiv. Nach meiner (leider auch persönlichen) Erfahrung ist es im Gegenteil so, dass die leichteren und elastischeren Kunststoffgehäuse der kleineren Nikon-Modelle harte Schläge sogar besser wegstecken als die schweren Profi-Geräte, die alleine durch ihr eigenes Trägheitsmoment auf Grund des höhere Gewichtes bei einem Aufprall auf den Boden sehr viel mehr Verformungsenergie mitbringen. Gefühlte und tatsächliche Haltbarkeit liegen also nicht immer auf derselben Ebene.

Wo gefühlte Qualität noch eher subjektiver Natur ist (und auf das Bildergebnis letzten Endes keinen Einfluss hat), da sieht das Handling in technischer Hinsicht schon anders aus. Es gibt bei Nikon eben zwei Philosophien, deren Abgrenzung sich genau durch die Kameragruppen für Amateure und die für (Semi-)Profis zieht. Der äusserliche Unterschied ist das Einstellrad für die Belichtungssteuerung der D90. Für alle Fotografen, die hauptsächlich in automatischen Einstellungen arbeiten und den Programmen den Hauptteil der Arbeit überlassen, sind damit bestens bedient. Die Wahl zwischen P, A, S, den Motivprogrammen oder der Vollautomatik ist direkt und einfach möglich, kann ohne Knöpfchendrückerei umgestellt werden. Wer von der D40, D60 oder D80 kommt, wird sich im Gegenteil mit dem Layout einer D200 oder D300 eher schwer tun. Hier steht die direkte Einflussnahme des Fotografen auf die Einstellungen im Vordergrund, voreingestellte Programme wie Sport, Portrait etc. gibt es erst gar nicht. So wird auch das Urteil jedes einzelnen davon abhängen, wie seine vorige / andere Kamera aussieht: ein perfektes Handling, wenn man neu einsteigt oder von den kleineren Nikons kommt. Stark gewöhnungsbedürftig und nicht immer optimal, wenn man den direkten Zugriff auf die Einstellungen einer D200 ff. gewohnt ist.


Bildqualität

Das ist sicherlich das wichtigste an einer Kamera, und so war auch meine zentrale Frage: ist was dran an der Euphorie, die nach der Lancierung der D300 durchs Internet rauschte (und mir meine sehr günstige D200 bescherte, die offenbar keiner mehr haben wollte)? Da die D90 ja einen (fast) gleichen Sensor wie die D300 hat, gibt es für weniger Geld so viel mehr Bildergebnis?

Die Antwort fällt ziemlich eindeutig aus: nach meiner persönlichen Einschätzung ist es tatsächlich ein enormer Schritt, vor allem wenn man den Schritt von der D70 zur D80 als Vergleich nimmt. Obwohl von der D80 auf die D90 die Pixelmenge nur marginal von 10 auf 12 zugenommen hat (gegenüber 6 auf 10 beim Wechsel von der D70 zur D80), ist der Sprung in der Bildqualität sehr viel grösser.

Ein wichtiger Punkt bei der Beurteilung ist dabei auch die Positionierung der Kamera: wo von einem D200/D300/D700-Nutzer letzten Endes durchaus ein erst halbfertiges „Negativ“ aus der Kamera vollkommen akzeptabel ist, weil in diesem Bereich mehr Wert auf die Möglichkeiten der Nachbearbeitung gelegt wird, sollte das Ergebnis der D90 und ihrer kleineren Geschwister möglichst optimal aus der Kamera heraus kommen.

Und das tut es. Bei ISO 200 ist das ja noch kein Kunststück, das können andere auch, richtig interessant werden die Ergebnisse aber bei höheren ISO-Einstellungen. Im Vergleich mit meiner D200, die über ISO 800 nicht mehr sinnvolle Ergebnisse bei meiner Art von Arbeit liefert (meistens kirchliche Anlässe, ohne Blitz), hat die D90 bei ISO 1600 noch absolut brauchbare Ergebnisse geliefert, und selbst ISO 3200 ist noch brauchbarakzeptabel. Erst ISO 6400 wird dann zur reinen Notfall-Grösse, wenn nichts anderes mehr geht. Aber selbst mit diesem Wert ist das Ergebnis noch besser als das meiner D200 bei ISO 1600.

Bei meinen Vergleichen habe ich übrigens immer im RAW-Format fotografiert (NEF). Die Standard-Einstellungen der D90 sind natürlich etwas stärker Consumer-orientiert, d.h. dass Schärfe, Farbsättigung und auch Rauschunterdrückung grundsätzlich schon höhere Werte aufweisen als bei der D200. Aber selbst mit der entsprechenden Nacharbeit in NX2 auf dem iMac war der Unterschied zwischen den Bildern der beiden Kameras eklatant.

Bei Betrachtung in Pixel-Grösse (100%) sieht man einerseits, dass die Details von der D90 noch sehr viel besser wiedergegeben werden, wo bei der D200 schon Konturen verschwimmen. Andererseits fällt aber auch auf, dass das Farbrauschen in hellen Bereichen bei der D90 in meinen Testbildern immer höher ausfiel als bei der D200, die wiederum in dunklen Bereichen ein höheres Rauschen aufweist.

Nachdem die meisten Menschen Bilder nicht in 100%-Grösse am Bildschirm, sondern mit Betrachtungsabstand und eventuell ausgedruckt anschauen, habe ich meine Beurteilung vor allem auf das fertige Bild gestützt, sowohl gedruckt als auch in normaler Grösse am Bildschirm. Und hier sind die Unterschiede eklatant, im Gesamtbild sehr viel auffälliger als auf Pixelebene.

 

Nikon D90 ISO 800 k

Nikon D90 ISO 800 k

Nikon D200 ISO 800 k

Nikon D200 ISO 800 k

Nikon D90 ISO 1600 k

Nikon D90 ISO 1600 k

Nikon D200 ISO 1600 k

Nikon D200 ISO 1600 k

Nikon D90 ISO 3200 k

Nikon D90 ISO 3200 k

Nikon D200 ISO 3200 k

Nikon D200 ISO 3200 k

Das Fazit dieser Vergleiche ist für mich eindeutig: die Verbesserung im Detail ist bei der D90 unübersehbar. Dass auch eine D90 keine Wunder vollbringen kann, muss einem jedoch auch klar sein, im richtigen Leben dürfte rund 1 bis 2 Blenden mehr an nutzbarer Empfindlichkeit herausspringen. Das kann viel sein, wenn man in einer dunklen Kirche arbeitet, es macht jedoch in keinem Fall aus der D200 ein Relikt vergangener Tage.

 


Active D-Lighting

Eine Funktion der D90 hat es mir besonders angetan: Active D-Lighting.

Dieser digitale „Aufhellblitz“ kann an der D90 in mehreren Stufen von Aus bis Stark eingestellt werden, oder eben „automatisch“. Bei den Vergleichsbildern mit der D200 habe ich die Funktion ausgestellt, bei den allgemeinen Bildern jedoch auf „automatisch“ gelassen. Das Ergebnis ist beeindruckend: wo sonst abgesoffene Schatten, dunkle Gesichter und enorme Kontraste Bilder vor allem bei Sonne unmöglich machen, sorgt Active D-Lighting für sehr ausgeglichene Belichtungen. Eine Distel gegen hellen Himmel, ohne Belichtungskorrektur, sieht normalerweise aus wie ein Scherenschnitt. Mit Active D-Lighting ist die Distel genauso korrekt belichtet wie der Himmel. Vor allem für Aufnahmen bei direkter Sonne oder Schnee eine absolut hilfreiche und sinnvolle Funktion.

Nikon D90 Back - Nikonians

Nikon D90 - Active D-Lighting

Weitere Funktionen

Die D90 verfügt wie die meisten Kameras über einen Umfang an Funktionen und Einstellmöglichkeiten, die einen relativ kurzen Erfahrungsbericht schlichtweg sprengen. Es gibt die Möglichkeit, individuelle Einstellungen zu speichern, über Voreinstellungen im Picture Control Menü kann die Bildbearbeitung in der Kamera voreingestellt werden (und später in View NX oder Capture NX2 noch einmal angepasst werden), der Focus weist noch eine Reihe von Einstellmöglichkeiten auf, und so weiter und so fort. Im Support-Bereich der Nikon-Homepage findet der interessierte Leser das Handbuch der D90, zudem gibt es bereits einige E-books und auch richtige Bücher in deutscher wie in englischer Sprache, die dem Anfänger wie dem Fortgeschrittenen den richtigen Weg weisen.

Darüber hinaus bietet Nikon auch Tageskurse in Ihre Nikon School.

Zurück zu den Fragen zu Beginn des Berichtes

Sollte der Leser bis hierhin alles tatsächlich gelesen haben, dann müssten sich die Fragen zu Beginn des Berichtes eigentlich schon weitgehend selbst beantwortet haben. Für alle anderen sei hier noch einmal meine (persönliche und subjektive) Antwort darauf gegeben:

Ist die D90 eine gute Einsteiger-Kamera, oder ist sie zu kompliziert?

Sie ist. Richtig gut, auch ein bisschen kompliziert, aber nicht mehr als nötig. Es gibt im Internet einige Fotografen, die der Ansicht sind, mehr als eine D40 brauche man nicht. Das sehe ich anders: selbst wenn man die manuellen Einstellmöglichkeiten nicht nutzt (und einem die Vorteile des zweiten Einstellrades daher vollkommen egal sind), sind die einzelnen Komponenten der Kamera wie Autofokus, Belichtungsmessung etc. doch so viel schneller und zuverlässiger, dass es meines Erachtens auch für den Gelegenheitsfotografen sinnvoll ist, die D90 der D60 vorzuziehen (von finanziellen Grenzen einmal abgesehen). Auch der grössere Sucher, die Möglichkeit, ältere AF-Objektive voll nutzen zu können und nicht zuletzt die bessere Bildqualität machen die D90 auch bei Einsteigern zu einer sinnvollen Investition, vor allem dann, wenn sie mit der Kamera wachsen möchten.

Ich habe eine D40(x)/D70(s)/D80, soll ich die D90 kaufen oder doch auf die D300 sparen?

Das hängt sicherlich davon ab, warum der Wechsel stattfinden soll. Für 90% der so Fragenden wäre meine Antwort eindeutig: D90 kaufen und das gesparte Geld lieber in gute Objektive stecken. Beim grössten Teil der potentiellen Käufer wird die D90 sogar sichtbar bessere Ergebnisse bringen, da sie in ihrer internen Bildbearbeitung stärker auf das fertige Bild aus der Kamera ausgerichtet ist. Die D300 ermöglicht, erfordert aber auch mehr manuelle Eingriffe und teilweise mehr Nacharbeit. Der Griff zur D300 ist meines Erachtens nur dann sinnvoll, wenn ihre Besonderheiten erforderlich sind: wettergeschütztes Gehäuse (Expedition, staubige / feuchte Umgebung etc.), höhere Geschwindigkeit (Schwerpunkt Sportfotografie), oder aus einem ganz wesentlichen Grund: die Verwendung alter manueller Nikon-Objektive. Wenn letzteres erforderlich ist, dann hat man praktisch keine Wahl, sofern man nicht vollständig auf die Belichtungsmessung in der Kamera verzichten will. Für alle anderen gilt jedoch ganz klar, dass die D90 in jeder Hinsicht der sinnvollere Kauf ist.

Soll ich eine gebrauchte D200 oder doch eine neue D90 kaufen?

Meine Hauptkamera ist eine D200, nach dem Test mit der D90 ist meine persönliche Antwort auf diese Frage aber klar: für normale Anforderungen ist die D90 die bessere Kamera. Und wenn die Besonderheiten der D200 (Verwendung manueller Objektive, Wetterschutz) tatsächlich benötigt werden, dann ist sie immer noch eine hervorragende Kamera, zumal die Preise in den bekannten Online-Auktionshäusern mittlerweile auf Spottpreise gesunken sind, angesichts der Qualtität der Kamera. Wo es nicht allzusehr auf das Geld ankommt, dem würde ich empfehlen, eher noch ein bisschen länger zu sparen und die D300 zu kaufen (zumal die D200-Gehäuse am Markt nicht jünger werden). Und wenn hohe ISO-Werte eine Rolle spielen, wie bei meiner Kirchen-Fotografie, dann sollte man vielleicht noch ein bisschen länger warten und die D700 kaufen.

Ist die D90 ein sinnvolles Zweitgehäuse für meine D300?

Das ist in Fotografenkreisen vor allem eine philosophische Frage. Meine (nicht universelle) Antwort darauf ist klar: ein Zweitgehäuse muss das Erstgehäuse nahtlos ersetzen können. Und das geht bei der D90 nicht, weil das Bedienkonzept der beiden Kameras zu unterschiedlich ist. Wenn ich im Getümmel einer Hochzeit von einer Kamera zur nächsten greife, habe ich keine Zeit und keinen Kopf, mich auf die andere Systematik, andere Position der Bedienelemente umzustellen, das muss blind funktionieren. Als echtes Zweitgehäuse halte ich die D90 daher nicht für sinnvoll, das muss ebenfalls eine D300 sein. Anders sieht es allenfalls aus, wenn man einfach nur ein zweites Gehäuse (ohne Ersatzfunktion) z.B. für Reisen, private Aufnahmen o.ä. erwerben möchte, dafür ist die D90 auch auf Grund ihres geringeren Gewichts (und Preises) durchaus geeignet.

Fazit

Die D90 ist mit das Beste, was derzeit in dieser Preisklasse für Geld zu kaufen ist. Ich war vor allem vom Bedienkonzept, aber natürlich auch vom Ergebnis, von der Bildqualität positiv überrascht.

Dass neben den grundlegenden Eigenschaften als DSLR noch die Möglichkeit des Filmens enthalten ist, ebenso die Live View Funktion, mag zwar nicht kaufentscheidend sein, es sind aber doch Dinge, die man nicht grundsätzlich braucht, aber die in manchen Momenten die Dokumentation eines wertvollen Augenblicks ermöglichen, wie es das bisher nicht gegeben hat.

Ich denke, dass sich zukünftige Verbesserungen vor allem in diesen Bereichen abspielen werden. Die reinen Fotofunktionen befinden sich auf einem Niveau, dass kaum noch sinnvolle Optimierung erforderlich erscheinen lässt. Wenn mit dieser Kamera schlechte oder mittelmässige Bilder geschossen werden, dann dürfte es kaum an der Kamera liegen.

Holger Wahl

Bemerkung

Im Rahmen des Erfahrungsberichtes mit der D90 habe ich mit dem neuen Standard-Objektiv 18-105 mm gearbeitet und dabei auch einige Vergleichsbilder mit dem 18-200mm sowie dem 85mm /f1.8 gemacht. Da die Tests weder besonders ausführlich, noch weniger aber repräsentativ sind, und ich den Bericht der D90 kurzfristig fertigstellen möchte, werde ich das Ergebnis dieser Versuche zu einem späteren Zeitpunkt im Objektivforum von Nikonians.de veröffentlichen. Soviel sei verraten: wer nicht gerade das Kleingeld für ein 17-55mm f/2.8 hat, ist mit dem Standardobjektiv sehr gut bedient. Mit den (eher subjektiven) Einschränkungen wie dem Kunststoff-Bajonett oder der fehlenden Entfernungsskala, die letzten Endes allenfalls auf die Bedienung, nicht aber auf das Bildergebnis einen Einfluss haben, hat Nikon ein sehr gutes Objektiv zu einem konkurrenzlos günstigen Preis gebaut. Wer mit einem „besseren“ Objektiv liebäugelt, sollte sich allenfalls die beiden Nikon-Zooms 16-85 bzw. 18-200 anschauen, die nicht nur preislich, sondern auch optisch und mechanisch ein ganzes Stück über dem Standard-Zoom positioniert sind.

Alle Beispiel- und Vergleichsfotos in diesem Bericht sind mit dem 18-105 geschossen.

Hinweis

Auch unsere Moderatorin Gabriele Hantschel von www.gutlicht-online.de, euch allen besser bekannt als „gutlicht“, hatte die Möglichkeit durch Nikon NPS Deutschland eine Nikon D90 zu testen.

Schreibt eure Erfahrungen mit der D90 ins Forum.

Darüber hinaus könnt Ihr dort exclusiv den D90 Movie „Eiger“ in hoher Auflösung anschauen und in noch höherer Auflösung downloaden.

 

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Erstellt am November 19, 2008

Letzte Änderung am Dezember 31, 2020

Holger Wahl Holger Wahl (Holger)

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