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Epson Stylus Pro 3880 Testbericht

Thomas Berg (twberg) am Juni 20, 2011


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Teil 2 Epson's neue Kunstdruck-Baumwollmedien Hot & Cold Press

 

Wissenswertes zu den Kunstdruckmedien auf Baumwollfaserbasis

Zur photokina 2010 stellte Epson vier neue hauseigene Produkte im Bereich der höchstklassigen Fine-Art-Medien vor, welche ein bislang überwiegend  von Drittanbietern abgedecktes Marktsegment betreten. Es handelt sich um jeweils zwei kaltgepresste und heißgepresste „Papiere“ jeweils mit und ohne optische Aufheller. Daraus ergeben sich direkt zwei mal zwei Anwendungsteilungen:

- Hot Press Bright: geglättete rein weiße Oberfläche mit UV-sensiblem Aufheller

- Cold Press Bright: deutlich texturierte rein weiße Oberfläche mit UV-sensiblem Aufheller

 

- Hot Press Natural: geglättete naturweiße Oberfläche ohne Aufheller

- Cold Press Natural: deutlich texturierte naturweiße Oberfläche ohne Aufheller

 

Man könnte sagen, die Natural-Medien richten sich eher an Kunden, die Hinterglasmontage wünschen. Werden die Drucke hinter bilderrahmenüblichem Weißglas montiert, kann der UV-empfindliche Aufheller seine Wirkung nicht entfalten weil solches Glas im UV-Spektrum kaum Transmission zeigt. Zu Recht, denn viele Druckfarben sind nicht sonderlich UV-stabil und Bilderrahmenanbieter entwickeln ja nicht für Epson's Pigmenttinte.

Selbstredend sind die Natural-Medien auch erste Wahl für besorgte Kunden, denen UV-Aufheller wie potentiell bildzerfressendes Teufelswerk erscheint.

Bedeutender als solche technischen Überlegungen erscheint mir aber der künstlerisch-emotionale Aspekt. Insbesondere für Schwarzweiß-Drucke ist die leicht warme Naturbaumwolltönung, völlig abseits jedweder Anti-Aufheller-Denke, ein absolut legitimes künstlerisches Kriterium. Ich persönlich mag keine Charakterportraits in kühlen Farbtönen; außer das stützt erkennbar die Bildaussage. Von daher liegt meine Sympathie erstmal blanko bei Natural. Und zwar ohne Glas. Aufgezogen und angemessen gerahmt.

Die Bright-Medien enthalten Aufheller, welche - ähnlich wie bei üblichen Office-Papieren oder Kochwaschmitteln - den Weißeindruck heben und damit den "gefühlten Weißpunkt" beeinflussen. Diese Aufheller wirken natürlich nur in den nicht oder kaum bedruckten Bildpartien. Weißer als "keine Tinte drauf" kann kein Printmedium sein, außer es wird hinterleuchtet. Im Rahmen dieser Betrachtungen kann ich das getrost ausschließen.

Oft beziehen ausgestellte Bilder ihre bisweilen magische Wirkung aus der Kombination von Ausstellungsort und Licht. Wann immer das einstrahlende Licht genügend UV-Anteile enthält, können die Bright-Medien ihre Wirkung entfalten. Anders herum ausgedrückt, hinter Glas oder bei Glühlampenlicht bringt ein Druck auf Hot Press Bright oder Cold Press Bright keine zusätzliche Weiß-Wirkung. In der Tat ist unter reiner Kunstlichtbeleuchtung kaum ein Unterschied im Weißpunkt erkennbar, wenn man Bright und Natural direkt nebeneinander vergleicht.

Es gibt von Epson ein kleines Musterbüchlein (Swatchbook) mit dem Namen "Media Performance Guide" mit ausfächerbaren Papiermustern. Läuft man damit im Raum herum, kann man sofort sehen, wie sich der Weißpunkt der Medien mit dem Licht relativ verändert. Ich halte dieses Büchlein für ein hervorragendendes Werkzeug zur Vorauswahl des Druckmediums. Das folgende Bild zeigt den Fächer, aufgelegt auf einen Druck auf Hot Press Bright, unter Mischlicht. Auf der Bildkante liegt der auffällig weiße Musterstreifen des Enhanced Matte Paper, gegen den Uhrsinn gefolgt von CP Natural, CP Bright, HP Natural und Hot Press Bright.

3880_9
Media Übersicht

Mit einer Grammatur von ca. 330 Gramm pro Quadratmeter sind alle vier Medien ähnlich schwer wie die bisherigen Top-Medien von Epson. Zum Vergleich: handelsübliches Normalpapier hat eine Grammatur von 80 g/m². Schwere Medien fühlen sich nicht nur schwerer an, sondern wertiger und vor allem sind sie formstabiler. Mediendicke und Formhaltigkeit sind von Bedeutung für Aufziehverfahren, bessere Qualität bringt bessere Ergebnisse.

Alle vier sind für Digigraphie qualifiziert, können somit für signierte und limitierte Künstlerdrucke im Rahmen des Epson Digigraphie-Programms verwendet werden (siehe auch www.digigraphie.com).

Sie sind säurefrei und archivierungstauglich. Sie sind beidseitig beschichtet, dadurch recht kratzfest und grundsätzlich beidseitig bedruckbar. Sie bilden wenig Abrieb. Letzteres wird besonders deutlich im direkten Vergleich zwischen Hot Press Bright und Ultra Smooth Fine Art: USFA "staubt" mehr, fühlt sich etwas rauher an und ist merklich empfindlicher gegen Abrieb der Schwarztinte. Da bei der UltraChrome Schwarztinte zugunsten maximaler Schwarzdichte auf das sonst übliche Haftharz verzichtet wurde, lassen sich die Schwarzpigmente leichter mechanisch vom Medium lösen, sind empfindlicher als die anderen Farben. Hot Press Bright bietet in diesem Punkt deutlichen Mehrwert gegenüber USFA.

Die folgende Darstellung zeigt den Farbumfang von Cold Press Bright (schwarze Linie) in Relation zu Watercolor Radiant White (weiße Linie) und dem Adobe-Farbraum (graue Linie) ;  jeweils in relativer Farbmetrik:

3880_10_Profil_ColdPress_Watercolor
Profil_ColdPress_Watercolor

Ähnliches gilt für die drei anderen neuen Medien. Sie bieten mehr Farbumfang als zuvor.

Mir sind vor allem zwei Ähnlichkeiten aufgefallen mit Papieren (Medien), welche mir beim R2880 zur Verfügung standen: Hot Press Bright hat große Ähnlichkeit mit Ultra Smooth Fine Art (USFA) und Cold Press Bright hat Ähnlichkeit mit Watercolor Radiant White, meinem Lieblingspapier aus dem R2880-Test. Die neuen Press-Medien bieten allerdings einen größeren Farbraum und das macht sich besonders im Vergleich zum Watercolor-Papier bemerkbar. Die Haptik des Cold Press ist sehr deutlich über der von Watercolor angesiedelt. Wird das Watercolor-Papier satt bedruckt, kommt es recht verwellt aus dem Drucker. Nicht so bei Cold Press. Trotzdem sollte man allen Drucken 24 Stunden Trockenzeit gönnen, ich konnte in allen Probedrucken beobachten, daß insbesondere die Schattenpartien mit zunehmender Trocknung noch an Zeichnung gewinnen.

In Relation zu Watercolor und USFA fallen meine Wertungen eindeutig aus: die Press-Medien sind in allen wesentlichen Punkten überlegen. USFA verliert in erster Linie wegen seiner mechanischen Eigenschaften, ist zu staubfreudig und rauh. Watercolor bietet nicht genug Gamut und ist zu dünn und leicht, um gegen Cold Press bestehen zu können. Bezüglich meiner Vorlieben hat Epson mit diesen vier Medien eine Lücke geschlossen und ich bin vollauf zufrieden mit der gebotenen Leistung. Alles was mir an USFA und Watercolor verbesserungswürdig erschien, ist Realität geworden.

Typauswahl und Sinnhaftigkeit sind bei diesen Medien eng verknüpft mit dem Bildinhalt. Natürlich ist im Sinne künstlerischer Freiheit erlaubt, was gefällt, aber im Rahmen dieser Review vermag ich mich der Frage "Welches Papier wofür?" nur von der technischen Seite zu nähern. Im Zusammenwirken mit Ultrachrome-K3-Tinte und dem Pro 3880 sind die Gamutunterschiede zwischen den Press‑Medien verschwindend gering. Die Auswahl und Zuordnung des Papiers zum Motiv kann daher getrost über die Kriterien "Weißpunkt" und "Textur" erfolgen.

Meine Auswahlmatrix ist folgende:

- Motive mit kühlem Charakter oder solche wo Weiß möglichst Weiß erscheinen soll: Hot/Cold Press Bright

- Motive mit warmem Charakter oder für eine Ausstellung ohne nennenswerten Tageslichtanteil: Hot/Cold Press Natural

- Schwarz/Weiß mit neutraler bis kühler Abstimmung: Hot Press Bright

- Schwarz/Weiß mit tendenziell warmer Anmutung: Cold Press Natural

- Portraits Farbe oder S/W: Cold Press Natural

- Nachtszenerien / HDR: Hot Press Bright

- Sachaufnahmen / vielfarbige Motive: Hot Press Bright

Bezüglich des Weißpunkts erklären sich die meisten Motive von selbst. Weiße Wolken wollen bei Tageslicht betrachtet auch weiß vom Druckmedium herunterstrahlen. Mein Kollege Harald Quix schoß dieses Foto im Yellowstone Park und war total begeistert von der Bildwirkung des großen Drucks auf Hot Press Bright. Aus Neugierde haben wir dasselbe Bild auf Cold Press Bright ausgedruckt und konnten keinen eindeutigen Favoriten küren – das glatte Hot Press zeigte den natürlicheren Himmel, aber das texturierte Cold Press Bright beeindruckte mit betont plastischer Tiefenwirkung in den Kalktreppen.

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Tiefenwirkung in den Kalktreppen

Ein Portrait bei Available Light braucht soviel Weißpunkt nicht und profitiert viel mehr von der Textur. Der Druck des Playboy-Models Mia von einer photokina-2010-Präsentation wirkt durch die Cold Press-Textur besonders lebendig. Für derartige Sujets ist Cold Press Natural mein klarer Favorit.

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Playboy-Model Mia auf der Photokina 2010

Im direkten Vergleich Hot Press – Cold Press zogen verblüffend viele meiner Probedrucke Vorteile aus der Textur der Cold Press Medien, so daß ich diese bevorzugt verwenden würde. Geschmacksache.

(2 Stimmen)
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Thomas Berg Thomas Berg (twberg)

Porz, Germany
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2 Kommentare

Thomas Berg (twberg) am Juli 15, 2011

Danke für die Blumen, Pierre, aber ich denke das die Risiken für ein Mißgeschick bei beiden Geräten gleich gegeben sind. Bedenke, den "großen" R3880 kann man ja zunächst auch mit Postkartengröße beschicken. In den R3000 passt aber niemals DIN A2... Ehrlich, es ist kein Hexenwerk, mit einem Epson einen guten Druck hinzukriegen. Richte deine Kaufentscheidung getrost an Papiergröße und Monatsdurchsatz aus.

Pierre Blattner (blatgun) am Juli 14, 2011

Besten Dank für diesen tollen Bericht. Macht einem Lust aber auch gleichzeitig etwas Angst. Kann ich dieses Gerät wirklich auch richtig einsetzen damit das Resultat auch wirklich stimmt am Schluss? Wäre es nicht doch geschickter mit einem preiswerteren R3000 einzusteigen? Ein Missgeschick dürfte ein wenig weniger schmerzen, oder bin da ganz falsch?

G