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Kamera-Testberichte

Analog gegenüber Digital

Holger Wahl (Holger)


Keywords: analog, digital, kamera, grundlagen

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In der letzten Zeit wurde ich ein paar Male gefragt, wie ich denn heute meine Berichte (www.holger.ch) bewerten würde, sie lägen jetzt ja grösstenteils schon eine ganze Zeit zurück, auch sei die Welt ja nicht mehr analog, so dass manch einer gerne wüsste, ob ich denn immer noch so begeistert von einer Nikon F3 oder FG bin, nachdem ja ein grosser Teil meiner Bilder auf der D300s entstehen, alles andere als analog.

So will ich denn einmal eine Rückmeldung geben, ganz sicher keine absolute Bewertung, aber doch so meine Sicht und Befindlichkeit in Sachen Digital und Analog. Gleichzeitig möchte ich Denkanstösse geben: keine absoluten Wahrheiten, sondern Ansichten, die jeder von seiner Warte aus betrachten möge, die vielleicht auch zu neuen Ideen, Gedanken oder einer Portion Neugier führen, mit der man dann wieder Neues schaffen kann.

Natürlich bin ich nicht objektiv. Während ich das hier schreibe, müht sich neben meinem Bildschirm der Epson V600 damit ab, Negative im Mittelformat des Typs Kodak Portra 160 NC in Bits und Bytes zu verwandeln, damit ich diese in Aperture einlesen, bearbeiten und dann drucken oder online stellen kann.

In meinem Büro kommt fast auf jedes Fach mit Projektordnern und Buchhaltungsbelegen ein Fach, in dem Filme, Objektive, L-Winkel für Stativadapter und andere Sachen liegen, dazwischen Kameragehäuse, von der F3 über die Rolleiflex, Rolleicord, eine Olympus 35 RC, die Leica M2, eine Sinar f, und dazu noch einige ältere Kameras, die ich irgendwann einmal geschenkt bekommen habe und noch gar nicht reinigen und in Betrieb nehmen konnte.

Im Widerspruch dazu steht jedoch, dass mengenmässig die Mehrheit meiner Bilder digital entstehen, grösstenteils auf der Nikon D300s. Wie passt das zusammen?

F3_Ektar_002

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Rückblick

Als ich diese Seiten begonnen habe, gab es noch keine ernsthaften Digitalkameras. Und die, die dann nach und nach auf den Markt kamen, waren entweder so gut wie unbrauchbar (Auslöseverzögerung, Bildqualität), oder so teuer, dass man als Normalverbraucher bestenfalls davon träumen könnte. Ich fotografierte noch mit Canon (EOS 300, EOS 50e), und Kameras kosteten damals noch sehr viel Geld.

Von Canon bin ich dann wieder (zurück) zu Nikon gegangen, habe die F3 besessen, die FM2n und eine FG20. Irgendwann wollte ich dann auch wissen, wie das mit dem Mittelformat ist, und kaufte mir von Brenner eine B.I.G. TLR (zweiäugige Spiegelreflexkamera, ähnlich der Rolleiflex) aus chinesischer Produktion.

2004 kamen die Canon 300D und die Nikon D70 in die Läden, das war gleichzeitig der Moment, als die Preise im analogen Bereich zu fallen begannen wie die Aktienkurse im Börsencrash. Und es war der Beginn einer stillen Revolution.

Die grosse Masse fotografierte noch Film, in den Internet-Foren stritten die Fotofreunde darüber, ob es noch 10 oder 15 Jahre dauern würde, bis Digital die Qualität eines Velvia-Dias erreichen würde, und ob man dafür 15 oder eher 20 Megapixel benötigen würde.

 

Gegenwart

Wie dieser Teil ausgegangen ist, haben wir ja miterlebt, es dauerte nicht 10 oder 15, sondern runde 3 Jahre, und die Frage 15 oder 20 Megapixel war eigentlich schon mit den 6 Megapixeln der D70 beantwortet. In nur 5 Jahren sind praktisch alle Berufsfotografen umgestiegen, im Privatbereich sieht es nicht viel anders aus. Das ist alleine schon am Angebot von Filmen in den Fotoläden sowie der Anzahl Film verarbeitender Labors zu erkennen: sie sind praktisch nicht existent, vergleicht man sie mit dem Angebot um das Jahr 2000 herum.

Und während Film nach über hundertjähriger Entwicklung weitgehend ausgereizt erscheint und Neuerungen nur noch für den Fachmann erkennbar sind, scheint Digital erst am Anfang seiner Möglichkeiten zu stehen. 24 Megapixel auf einem FX-Sensor? Realität. ISO-Empfindlichkeit von über 100'000? Realität. Noch nicht perfekt, aber für Zeitungsbilder allemal brauchbar. Wie sieht die digitale Fotografie in Zukunft aus, wenn ein derartiger Quantensprung in nur rund 10 Jahren möglich war?

Ich weiss es nicht. Wie so oft bei neuen Techniken scheint die Bandbreite der Möglichkeiten die Anforderungen und die Fantasie der Anwender zu übersteigen, die Verirrungen der Marketingleute erinnern an die ersten elektronischen Gehversuche im Auto, als viele unsinnige, längst im Nebel der Geschichte verschwundene Spielereien die Möglichkeiten dieser Techniken ausloteten, bevor wirklich nützliche Dinge wie ESP, Airbags oder sogenannte intelligente Lichtsysteme entwickelt und die Möglichkeiten der neuen Techniken begriffen und sinnvoll eingesetzt wurden.

Was aber bedeutet das für die analoge Fotografie? Wird sie nun nach und nach genauso in der Mottenkiste verschwinden wie der Vergasermotor oder der Radialreifen?

Ich selber stieg natürlich auch um, 2003 mit einer kleinen Canon Ixus, 2004 dann mit der Nikon D70. Wobei der Begriff „Umstieg“ nicht ganz korrekt ist: zwar verwendete ich die D70 nun für den ganz grossen Teil der Bilder, vor allem für die Veranstaltungen, nach denen ich Bilder oder neu eine CD / DVD abliefern musste, die analoge Fotografie habe ich jedoch immer beibehalten.

Heute arbeite ich sogar wieder mehr analog als digital, aber es gibt eine gezielte Arbeitsteilung zwischen den beiden Techniken.

Vorteil Digital

Die Digitale Fotografie hat natürlich unbestritten ihre Vorteile, nicht nur im Bereich der privaten Knipserei (dort sind es eher scheinbare als reale Vorteile), sondern auch und vor allem in der semiprofessionellen und professionellen Fotografie.

Die drei Kernpunkte sind die sofortige Kontrolle, die Flexibilität sowie die Geschwindigkeit der Bereitstellung der Bilder.

Sofortige Kontrolle digitaler Bilder ist bei vielen Themen heute unerlässlich (und hat Polaroid das Leben gekostet, bevor The Impossible Project dieses Mittel als künstlerische Ausdrucksweise wieder hat auferstehen lassen). Food-, Produkt- oder Modefotografie kommen praktisch nicht ohne diese Kontrolle aus, die sofortige Korrektur von Licht und Aufnahmeparametern ist heute unabdingbar. Aber auch bei Hochzeiten oder anderen nicht wiederholbaren Ereignissen ist die Bildkontrolle eine enorm nützliche Sache, auf Fehler in den Einstellungen oder der Ausrüstung kann man umgehend reagieren.

Flexibilität ist ein weites Feld: von der schier unbegrenzten Anzahl an Bildern, die man schiessen kann, ohne einen Film zu wechseln (wem schon einmal 10 Sekunden vor dem Ringtausch einer Hochzeit der Film zu Ende ging, der weiss, wovon ich rede), über die flexible Anpassung der Empfindlichkeit bis hin zu den Einstellmöglichkeiten wie Weissabgleich und der reversiblen Bearbeitung der Bilder bietet die digitale Fotografie dem Fotografen einen wirklich traumhaften Spielraum. Die Kontrolle über das Bild war noch nie so gross, so schnell verfügbar und vor allem so wiederholbar wie heute. Einen Fehler in der Filmentwicklung korrigieren? Früher unmöglich, entwickelt war entwickelt. Heute bedeutet es nur, dass man die RAW-Datei noch einmal einliest oder die Entwicklungsschritte rückgängig macht, schon kann man wieder mit den rohen „Negativ“ beginnen.

 

Warum noch Analog?

Auf diese Frage gibt es eine ganze Reihe von Antworten. Daher möchte ich erst einmal sagen, was mich überhaupt wieder so sehr zur analogen Fotografie zurückgebracht hat: Fotografien. Analoge Fotografien verschiedener Fotografen, über die ich in einer Gruppe auf der Flickr-Seite im Internet gestossen bin, die „6x6 people portraits“ heisst. Es sind nur analoge Aufnahmen im Format 6x6 zugelassen, und nur Portraits.

Mit dieser und anderen Gruppen in Flickr, aber auch weiteren Foren wie apug.org (Analog Photography Users Group), der deutschen aphog.de (analoge Photographie), war bei mir wieder das Interesse geweckt: analoge Fotografie war nicht tot, überhaupt nicht. Sie war nur aus der Masse verschwunden, aus der Alltäglichkeit.

F3_Ektar_025

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Irgendwann zu Beginn des Jahres 2009 hatte ich eine alte, defekte Leica M2 bekommen, die seitdem nutzlos mein Büro dekorierte. Ich schickte sie nun an Leica in Nidau (der Schweizer Dependance), dort stellte sich heraus, dass sie gar nicht so defekt war, wie ich dachte, sondern über eine Justage und den Tausch einiger Kleinteile für wenige Franken wieder fit zu machen war. Während also Leica die M2 reparierte, hielt ich auf ebay nach einem passenden Objektiv Ausschau, und nach kurzer Zeit fand ich auch ein 50er Summicron f/2 für wenige hundert Franken (entsetzlich viel für Nikon-Verhältnisse, aber wohl ein Schnäppchen, bezogen auf die üblichen Leica-Preise). Einen Belichtungsmesser hatte ich noch, und als die M2 schliesslich von Leica zurückkam, war ich gewappnet für mein erstes analoges Abenteuer im digitalen Zeitalter.

Mich reizte die Beschränkung auf das Wesentliche: eine einfache, aber optisch hochwertige Kamera, kein Zoom, keine Automatik für alles mögliche. 36 Bilder, eine feste Brennweite. Fertig.

Später bekam ich dann noch eine Nikon F3 angeboten, zu der ich nicht Nein sagen konnte, da ich noch einige AI-S Objektive hatte, aber kein analoges Gehäuse mehr dazu. Und für meine M2 konnte ich mir selbst ein 20 Jahre altes 35er Summicron einfach nicht leisten, der Erfolg der M9 hat leider auch die Marktpreise für gebrauchte Objektive wieder ins astronomische steigen lassen. Heute verwende ich die M2 vor allem für Street und Reisefotografie, wo ich mich auf das absolute Minimum beschränken will, meistens s/w und natürlich mit Handbelichtungsmesser. Für alles andere, vor allem Naturaufnahmen und überall, wo ich mit Stativ arbeite, ist Sache der F3 oder Mittel-/Grossformat.

(1 Stimme )
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Erstellt am November 18, 2010

Letzte Änderung am Juni 3, 2014

Holger Wahl Holger Wahl (Holger)

Awarded for his excellent article contributions to the Resources. Awarded for his wide variety of skills, a true generalist both in film and digital photography.

Roeschenz, Switzerland
Moderator, 1322 posts

5 Kommentare

Zita Kemeny (zkemeny) am April 17, 2013

Danke, sehr gutes Bericht.

Benutzer am Januar 30, 2011

Ich kann deine Begeisterung für die Leica nachfolziehen - auch ich habe wieder Freude an der analogen Fotografie gefunden und meine Zeiss Contina rausgeholt. Aber jetzt mal ehrlich - das langsame und bewußte arbeiten, kann ich auch mit einer DSLR haben und auch dort kann ich mich auch eine Festbrennweite und eine Iso Einstellung beschränken. Daher Vorteil sehe ich keinen mehr für den KB-Film. Im Mittel und Groß-Format gebe ich dir absolut recht und kopfe selber schon ob ich nicht mir auch mal so etwas gönnen soll. Hättest du mich noch vor ein paar Monaten gefragt, hätte ich gesagt:"Bleib mir mit dem ganzen Computer digital Kram vom Leib!" Rein aus Mangel an digitalem Fotomaterial in meinem Haus. Nachdem ich aber nun auf einer völlig überholten D70 meine ersten Erfahrungen im digitalen Zeitalter doch noch gemacht habe, möchte ich dieses nicht mehr missen. Der KB-Film macht Spass klar und wird bei mir immer Bestandteil meiner Fotografie sein - aber alles was KB kann kann digital auch ob jetzt durch Einstellungen in der Kamera oder erst am Computer eingerechnet. Daher beibt gerade KB nichts als eine liebenswerte anachronischtische Spielerei, die viel Spass vermittelt. Grüße aus Innsbruck Michael

Ernst Poschner (eposchner) am November 24, 2010

Ich hab den Bericht sehr gerne gelesen, kann aber nicht in allen Punkten übereinstimmen. Richtig ist, dass die Archivierung viel Zeit beansprucht, aber auch die analoge Form der Bildaufbewahrung kann einen zur Verzweiflung treiben, es sei denn, man beschränkt sich auf Schuhschachteln, in denen man dann aber kaum jemals wieder etwas findet. Es ist ja nicht a priori ein Muss, dass man mit der digitalen Ausrüstung nur knipsen kann, und mit der analogen Technik "schöne" Fotos macht, sondern auch mit digitaler Technik kann man vor dem Auslösen ein bisschen komponieren und nachdenken, ob sich das Bild wirklich lohnt. Meiner Meinung nach hat die digitale Fotografie einfach den Vorteil, dass man Fotos, die trotz Befassung mit den Grundregeln der Fotografie nicht hundertprozentig geworden sind, am PC mit entsprechender Software, wie z.B. das wunderbare Capture NX2, noch verbessern kann . Ich finde, es geht nicht um analog vs. digital, sondern um fotografieren vs. knipsen! P.S. Auch ich habe eine analoge Vergangenheit mit einer F3, bin aber jetzt mit einer D700 überglücklich! Liebe Grüße, Ernst

Dieter Fröhling (Dieter_Wilhelm) am November 23, 2010

Awarded for his wide variety of skills, a true generalist both in film and digital photography

JA wunderbar der Bericht. Verwende ja immer wieder ne analoge, diesmal war es die F100. Film noch drin. Tja, und ne Leica fehlt auch. Kanns nachvollziehen.. Gruß Dieter

Dieter Fröhling (Dieter_Wilhelm) am November 23, 2010

Awarded for his wide variety of skills, a true generalist both in film and digital photography

JA wunderbar der Bericht. Verwende ja immer wieder ne analoge, diesmal war es die F100. Film noch drin. Tja, und ne Leica fehlt auch. Kanns nachvollziehen.. Gruß Dieter

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