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Kamera-Testberichte

Analog gegenüber Digital

Holger Wahl (Holger)


Keywords: analog, digital, kamera, grundlagen

Seiten anzeigen (4 Seiten)

In der letzten Zeit wurde ich ein paar Male gefragt, wie ich denn heute meine Berichte (www.holger.ch) bewerten würde, sie lägen jetzt ja grösstenteils schon eine ganze Zeit zurück, auch sei die Welt ja nicht mehr analog, so dass manch einer gerne wüsste, ob ich denn immer noch so begeistert von einer Nikon F3 oder FG bin, nachdem ja ein grosser Teil meiner Bilder auf der D300s entstehen, alles andere als analog.

So will ich denn einmal eine Rückmeldung geben, ganz sicher keine absolute Bewertung, aber doch so meine Sicht und Befindlichkeit in Sachen Digital und Analog. Gleichzeitig möchte ich Denkanstösse geben: keine absoluten Wahrheiten, sondern Ansichten, die jeder von seiner Warte aus betrachten möge, die vielleicht auch zu neuen Ideen, Gedanken oder einer Portion Neugier führen, mit der man dann wieder Neues schaffen kann.

Natürlich bin ich nicht objektiv. Während ich das hier schreibe, müht sich neben meinem Bildschirm der Epson V600 damit ab, Negative im Mittelformat des Typs Kodak Portra 160 NC in Bits und Bytes zu verwandeln, damit ich diese in Aperture einlesen, bearbeiten und dann drucken oder online stellen kann.

In meinem Büro kommt fast auf jedes Fach mit Projektordnern und Buchhaltungsbelegen ein Fach, in dem Filme, Objektive, L-Winkel für Stativadapter und andere Sachen liegen, dazwischen Kameragehäuse, von der F3 über die Rolleiflex, Rolleicord, eine Olympus 35 RC, die Leica M2, eine Sinar f, und dazu noch einige ältere Kameras, die ich irgendwann einmal geschenkt bekommen habe und noch gar nicht reinigen und in Betrieb nehmen konnte.

Im Widerspruch dazu steht jedoch, dass mengenmässig die Mehrheit meiner Bilder digital entstehen, grösstenteils auf der Nikon D300s. Wie passt das zusammen?

F3_Ektar_002

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Rückblick

Als ich diese Seiten begonnen habe, gab es noch keine ernsthaften Digitalkameras. Und die, die dann nach und nach auf den Markt kamen, waren entweder so gut wie unbrauchbar (Auslöseverzögerung, Bildqualität), oder so teuer, dass man als Normalverbraucher bestenfalls davon träumen könnte. Ich fotografierte noch mit Canon (EOS 300, EOS 50e), und Kameras kosteten damals noch sehr viel Geld.

Von Canon bin ich dann wieder (zurück) zu Nikon gegangen, habe die F3 besessen, die FM2n und eine FG20. Irgendwann wollte ich dann auch wissen, wie das mit dem Mittelformat ist, und kaufte mir von Brenner eine B.I.G. TLR (zweiäugige Spiegelreflexkamera, ähnlich der Rolleiflex) aus chinesischer Produktion.

2004 kamen die Canon 300D und die Nikon D70 in die Läden, das war gleichzeitig der Moment, als die Preise im analogen Bereich zu fallen begannen wie die Aktienkurse im Börsencrash. Und es war der Beginn einer stillen Revolution.

Die grosse Masse fotografierte noch Film, in den Internet-Foren stritten die Fotofreunde darüber, ob es noch 10 oder 15 Jahre dauern würde, bis Digital die Qualität eines Velvia-Dias erreichen würde, und ob man dafür 15 oder eher 20 Megapixel benötigen würde.

 

Gegenwart

Wie dieser Teil ausgegangen ist, haben wir ja miterlebt, es dauerte nicht 10 oder 15, sondern runde 3 Jahre, und die Frage 15 oder 20 Megapixel war eigentlich schon mit den 6 Megapixeln der D70 beantwortet. In nur 5 Jahren sind praktisch alle Berufsfotografen umgestiegen, im Privatbereich sieht es nicht viel anders aus. Das ist alleine schon am Angebot von Filmen in den Fotoläden sowie der Anzahl Film verarbeitender Labors zu erkennen: sie sind praktisch nicht existent, vergleicht man sie mit dem Angebot um das Jahr 2000 herum.

Und während Film nach über hundertjähriger Entwicklung weitgehend ausgereizt erscheint und Neuerungen nur noch für den Fachmann erkennbar sind, scheint Digital erst am Anfang seiner Möglichkeiten zu stehen. 24 Megapixel auf einem FX-Sensor? Realität. ISO-Empfindlichkeit von über 100'000? Realität. Noch nicht perfekt, aber für Zeitungsbilder allemal brauchbar. Wie sieht die digitale Fotografie in Zukunft aus, wenn ein derartiger Quantensprung in nur rund 10 Jahren möglich war?

Ich weiss es nicht. Wie so oft bei neuen Techniken scheint die Bandbreite der Möglichkeiten die Anforderungen und die Fantasie der Anwender zu übersteigen, die Verirrungen der Marketingleute erinnern an die ersten elektronischen Gehversuche im Auto, als viele unsinnige, längst im Nebel der Geschichte verschwundene Spielereien die Möglichkeiten dieser Techniken ausloteten, bevor wirklich nützliche Dinge wie ESP, Airbags oder sogenannte intelligente Lichtsysteme entwickelt und die Möglichkeiten der neuen Techniken begriffen und sinnvoll eingesetzt wurden.

Was aber bedeutet das für die analoge Fotografie? Wird sie nun nach und nach genauso in der Mottenkiste verschwinden wie der Vergasermotor oder der Radialreifen?

Ich selber stieg natürlich auch um, 2003 mit einer kleinen Canon Ixus, 2004 dann mit der Nikon D70. Wobei der Begriff „Umstieg“ nicht ganz korrekt ist: zwar verwendete ich die D70 nun für den ganz grossen Teil der Bilder, vor allem für die Veranstaltungen, nach denen ich Bilder oder neu eine CD / DVD abliefern musste, die analoge Fotografie habe ich jedoch immer beibehalten.

Heute arbeite ich sogar wieder mehr analog als digital, aber es gibt eine gezielte Arbeitsteilung zwischen den beiden Techniken.

Vorteil Digital

Die Digitale Fotografie hat natürlich unbestritten ihre Vorteile, nicht nur im Bereich der privaten Knipserei (dort sind es eher scheinbare als reale Vorteile), sondern auch und vor allem in der semiprofessionellen und professionellen Fotografie.

Die drei Kernpunkte sind die sofortige Kontrolle, die Flexibilität sowie die Geschwindigkeit der Bereitstellung der Bilder.

Sofortige Kontrolle digitaler Bilder ist bei vielen Themen heute unerlässlich (und hat Polaroid das Leben gekostet, bevor The Impossible Project dieses Mittel als künstlerische Ausdrucksweise wieder hat auferstehen lassen). Food-, Produkt- oder Modefotografie kommen praktisch nicht ohne diese Kontrolle aus, die sofortige Korrektur von Licht und Aufnahmeparametern ist heute unabdingbar. Aber auch bei Hochzeiten oder anderen nicht wiederholbaren Ereignissen ist die Bildkontrolle eine enorm nützliche Sache, auf Fehler in den Einstellungen oder der Ausrüstung kann man umgehend reagieren.

Flexibilität ist ein weites Feld: von der schier unbegrenzten Anzahl an Bildern, die man schiessen kann, ohne einen Film zu wechseln (wem schon einmal 10 Sekunden vor dem Ringtausch einer Hochzeit der Film zu Ende ging, der weiss, wovon ich rede), über die flexible Anpassung der Empfindlichkeit bis hin zu den Einstellmöglichkeiten wie Weissabgleich und der reversiblen Bearbeitung der Bilder bietet die digitale Fotografie dem Fotografen einen wirklich traumhaften Spielraum. Die Kontrolle über das Bild war noch nie so gross, so schnell verfügbar und vor allem so wiederholbar wie heute. Einen Fehler in der Filmentwicklung korrigieren? Früher unmöglich, entwickelt war entwickelt. Heute bedeutet es nur, dass man die RAW-Datei noch einmal einliest oder die Entwicklungsschritte rückgängig macht, schon kann man wieder mit den rohen „Negativ“ beginnen.

 

Warum noch Analog?

Auf diese Frage gibt es eine ganze Reihe von Antworten. Daher möchte ich erst einmal sagen, was mich überhaupt wieder so sehr zur analogen Fotografie zurückgebracht hat: Fotografien. Analoge Fotografien verschiedener Fotografen, über die ich in einer Gruppe auf der Flickr-Seite im Internet gestossen bin, die „6x6 people portraits“ heisst. Es sind nur analoge Aufnahmen im Format 6x6 zugelassen, und nur Portraits.

Mit dieser und anderen Gruppen in Flickr, aber auch weiteren Foren wie apug.org (Analog Photography Users Group), der deutschen aphog.de (analoge Photographie), war bei mir wieder das Interesse geweckt: analoge Fotografie war nicht tot, überhaupt nicht. Sie war nur aus der Masse verschwunden, aus der Alltäglichkeit.

F3_Ektar_025

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Irgendwann zu Beginn des Jahres 2009 hatte ich eine alte, defekte Leica M2 bekommen, die seitdem nutzlos mein Büro dekorierte. Ich schickte sie nun an Leica in Nidau (der Schweizer Dependance), dort stellte sich heraus, dass sie gar nicht so defekt war, wie ich dachte, sondern über eine Justage und den Tausch einiger Kleinteile für wenige Franken wieder fit zu machen war. Während also Leica die M2 reparierte, hielt ich auf ebay nach einem passenden Objektiv Ausschau, und nach kurzer Zeit fand ich auch ein 50er Summicron f/2 für wenige hundert Franken (entsetzlich viel für Nikon-Verhältnisse, aber wohl ein Schnäppchen, bezogen auf die üblichen Leica-Preise). Einen Belichtungsmesser hatte ich noch, und als die M2 schliesslich von Leica zurückkam, war ich gewappnet für mein erstes analoges Abenteuer im digitalen Zeitalter.

Mich reizte die Beschränkung auf das Wesentliche: eine einfache, aber optisch hochwertige Kamera, kein Zoom, keine Automatik für alles mögliche. 36 Bilder, eine feste Brennweite. Fertig.

Später bekam ich dann noch eine Nikon F3 angeboten, zu der ich nicht Nein sagen konnte, da ich noch einige AI-S Objektive hatte, aber kein analoges Gehäuse mehr dazu. Und für meine M2 konnte ich mir selbst ein 20 Jahre altes 35er Summicron einfach nicht leisten, der Erfolg der M9 hat leider auch die Marktpreise für gebrauchte Objektive wieder ins astronomische steigen lassen. Heute verwende ich die M2 vor allem für Street und Reisefotografie, wo ich mich auf das absolute Minimum beschränken will, meistens s/w und natürlich mit Handbelichtungsmesser. Für alles andere, vor allem Naturaufnahmen und überall, wo ich mit Stativ arbeite, ist Sache der F3 oder Mittel-/Grossformat.


Die „weichen“ Faktoren

Eines, vielleicht das Wichtigste, war mir in den Monaten bewusst geworden, in denen ich Bilder in Bildbänden, auf dem Internet und in Zeitungen gezielt betrachtete: nicht die Kamera macht das Bild. Sondern der Kopf dahinter.

Eine Digital-Kamera mit Superzoom-Objektiv ist das richtige Werkzeug, wenn man eine Veranstaltung fotografiert, nicht weiss, was einen erwartet, und Bilder nach Hause bringen muss, weil die Menschen ihre DVD mit den Bildern haben möchten. Hier geht es nicht primär darum, wie gut das Bild komponiert ist, wichtig ist, dass die Fotos technisch sauber sind und alles und jeder sich wiederfindet. Im Grunde das, was man einmal Reportagefotografie nannte. Wer in diesem Rahmen auch noch gut komponierte, also schöne Bilder macht, ist gut, wirklich verlangt wird es vom Publikum in der Regel aber nicht.

Das, was in der Reportagefotografie natürlich ein enormer Vorteil ist, nämlich die extrem schnelle digitale eierlegende Wollmilchsau, wird aber in dem Moment zum Nachteil, wenn es um das Bild selber geht. Denn die Flexibilität der Kamera verführt zu häufig zu einer nachlässigen Fotografie:

Licht? Kein Problem, ISO rauf, D-Lighting an, und schon ist es nicht mehr zu düster, auch die dunklen Teile im Bild sind gut erkennbar.

Komposition? Dafür hat man doch sein Superzoom, ich kann alles in mein Bild kriegen, was ich sehen möchte, egal ob weit weg oder nach dran.

Das perfekte Bild? Wieso „das“ Bild? Hunderte! Man kann ja hinterher das Beste heraussuchen.

F3_Ektar_045

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Alleine diese drei Punkte zeigen leider sehr gut, wozu einen die digitale Fotografie verführen kann. Was für Sport- und Eventfotografie ein absoluter Vorteil ist, ist gleichzeitig tödlich für Bereiche wie Portrait, Landschaft, Natur. Denn hier geht es nicht darum, möglichst klar und hell alles zu zeigen, sondern hier geht es um Komposition, um die Vermittlung eines Eindrucks, und damit um „künstlerische“, nicht um technische Perfektion.

Und das ist prinzipbedingt der Vorteil der analogen Fotografie. Nicht, weil sie grundsätzlich langsamer wäre (nimm eine Nikon F5 oder F6, da setzen nur die 36 Bilder des Films Grenzen), sondern weil sie Komposition erleichtern kann.

Wie das? Was hat Komposition mit digital oder analog zu tun?

Nichts. Eigentlich nichts, das stimmt wohl. Wenn man will, und wenn man ein guter Fotograf ist, kann man gute Bilder mit allem machen, egal ob D3x, D3100, Knipse oder Lochkamera. Die Konzentration auf das Bild ist das Wesentliche, ganz unabhängig von der Kiste, die letzten Endes nur den Sensor / Film vor Licht schützt und das Objektiv auf der anderen Seite festhält.

Nur: sich zu konzentrieren ist schwierig, wenn man abgelenkt wird. Wenn der direkte Zugriff auf die drei Funktionen Blende, Zeit und Schärfe nur indirekt möglich ist, über Knöpfchendrücken und Rädchendrehen. Wenn man nicht weiss, wie der Belichtungscomputer zu seinem Ergebnis gekommen ist, welche der vielen Messfelder mit welcher Gewichtung gewertet wurde, welchen Schluss der Computer auf Grund seiner integrierten Datenbank mit über 30'000 Bildvarianten daraus gezogen hat.

F3_Ektar_053

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Ich will das auch gar nicht wissen. Denn mein eigener Computer im Kopf hat eine ganz eigene Vorstellung davon, wie das Bild aussehen soll. Ich weiss, welches Element im Bild wie hell wiedergegeben werden soll, und ich weiss auch, was es für eine Farbe hat, um die Messung meines Handbelichtungsmessers ggf. korrigieren zu können.

Denn ich sehe auch etwas. Nicht auf einem kleinen Monitor, auch nicht durch den Mini-Sucher einer digitalen SLR vom Schlage einer D3100, sondern durch einen richtig grossen Sucher, oder sogar auf einer noch viel grösseren Mattscheibe.

Zugegeben, das ist nicht ganz fair. Denn eine D700 hat einen ebenso schönen und grossen Sucher wie meine F3, sogar noch etwas heller, das ist also nichts, was digital nicht auch könnte. Nur: auch wenn der Sucher einer D700 heller und schöner anzusehen ist als der meiner F3, kann ich die Schärfe darauf schlechter beurteilen. Denn bei digitalen Kameras sind die Mattscheiben nicht mehr wirklich matt (und verstärken Schärfe / Unschärfe - Differenzen), weil das ja nun der Autofocus machen sollte, sondern vor allem hell. Wenn ich wirklich konsequent den Schärfeverlauf kontrollieren will, bleibt mir nichts anderes übrig, als auf eine Mattscheibe von Katz Eye umzusteigen, die mit ihrer Struktur dafür sorgt, dass Unschärfe wieder als Unschärfe erkennbar wird. Wenn das schon für den verhältnismässig riesigen Sucher der D700 gilt, kann man sich ausmalen, was in den Gucklöchern der D70, D3000 oder selbst D90/D7000 abgeht.

Nun wird der digitale Fotograf mir sagen: Mensch, für solche Spinnereien gibt es doch Live View! Ein Bild, fast so gross wie die Mattscheibe der Rolleiflex, dazu noch „echt“, das heisst, Du siehst, was Du kriegst, kannst Einstelländerungen sofort verfolgen, und Zoomen für die Schärfebeurteilung kannst Du auch noch! Wenn die Kamera eh schon auf dem Stativ steht, wo ist das Problem?

Da ist in der Tat etwa dran. Man kann es auch weiter treiben: Bei ausreichend Zeit und Platz (und Akkus bzw. Steckdose) kann auch der Laptop mit kalibriertem Bildschirm angeschlossen werden, dann ist die Sicht auf das Bild noch besser als bei einer 4x5“ Grossformt-Kamera. Und der Aufwand auch nicht grösser, bis alles steht und funktioniert.

Korrekt. Mit ein Grund, warum diese Technik in vielen Bereichen absolut ihre Berechtigung hat. Und warum ich dies durchaus begrüsse, denn wenn schon digital mit seinen Vorteilen, dann mit Sorgfalt und Bildkontrolle.

Dennoch: diese Kombination ist zwar wertvoll, aber sie geht mir schon wieder zu weit in Richtung „Produktion“, technisches Arbeiten, das mir persönlich die Freude an der Fotografie nimmt. Zeit, Blende, Entfernung, das sind die Dinge, mit denen man das Bild steuert. Wenn diese Steuerung dann noch so direkt ausgeführt werden kann wie an einer Nikon F3, einer Rolleiflex oder einer Leica M, dann habe ich den Kopf frei für die eigentliche Bildgestaltung.

Die ganzen oben genannten Punkte sind „weiche“ Kriterien, Dinge, die man persönlich so oder anders empfinden kann, die für den Einen ein Nachteil, für den Anderen durchaus ein Vorteil sein können. Aber es gibt auch „harte“ Kriterien, Kriterien, bei denen die analoge Fotografie Vorteile hat, die sich nicht durch persönliche Meinungen ändern lassen.

 

Die „harten“ Faktoren

Genauer sind es nach meiner Erfahrung deren drei. Beginnen wir mit dem Wichtigsten:

Format

Das Negativformat ist eines der Dinge, die die analoge Fotografie (noch) vollkommen für sich gepachtet hat. Nun wird mancher einwenden: wieso, wo ist das Problem? FX-Sensoren sind ja genauso gross wie Kleinbildfilm, und digitale Mittelformatsensoren gibt es auch schon länger. Und in Sachen Auflösung kannst Du Deine Rolleiflex problemlos gegen eine D3x eintauschen, nicht zu reden von der Auflösung einer Leica S2 oder ähnlicher Mittelformat-Digitalen. Wo ist da der Vorteil?

Solange wir nur über Auflösung reden, absolut einverstanden. Es gibt jedoch einen Bereich, den man Bildwirkung nennen könnte, der nichts mit der Auflösung, umsomehr aber mit dem Negativformat zu tun hat.

Was ist einer der wichtigsten Unterschiede zwischen einer digitalen Kompaktkamera und einer DSLR? Die Sensorgrösse. Nicht wegen der Anzahl Pixel, nicht unbedingt wegen der ISO-Fähigkeiten, sondern in erster Linie, weil kleine Sensoren auch zu kleinen Brennweiten führen. Und kleine Brennweiten führen zu riesigen Schärfetiefen.

Noch mal zurück: Je länger die Brennweite ist, desto geringer wird die Schärfentiefe, d.h. der Bereich in die Tiefe des Raumes, in dem etwas scharf abgebildet wird. Das ist physikalisch bedingt und hat nichts mit digital oder analog zu tun.

Je kleiner aber die Film- oder Sensorfläche ist, desto kürzer muss die Brennweite sein, um einen vergleichbaren Bildwinkel einzufangen. Beispiel: was auf der Nikon D3 mit ihrem FX-Sensor das 50 mm Standardobjektiv abbildet, dafür muss ich auf der D300s ein 35 mm Objektiv verwenden. Dann sehe ich das selbe Bild, obwohl die Brennweite kürzer ist. Wenn der Sensor noch kleiner wird, muss auch die Brennweite kleiner werden, um noch den selben Ausschnitt einzufangen.

Das führt also dazu, dass viele Kompaktkameras für die 50 mm auf FX einen entsprechenden Brennweitenbereich von rund 7 bis 20 mm haben, einen Bereich also, der im FX-Format fast vollständig als ziemlich extremes Weitwinkel durchgehen würde. Die Schärfentiefe ist dabei in jedem Fall riesig, so dass es kaum möglich ist, ein schönes Portrait zu fotografieren, bei dem die Augen scharf, der Hintergrund aber in der Unschärfe liegt. Es ist einfach immer alles scharf.

Dasselbe gilt in den grösseren Formaten. Ist es im FX-Format bereits problemlos möglich, bei einem Portrait das Gesicht wunderbar freizustellen und den Hintergrund unscharf verschwimmen zu lassen, so wird das bei Aufnahmen ganzer Personen oder Tiere bereits wesentlich schwieriger, von Bäumen oder Häusern ganz zu schweigen. Für Aufnahmen ganzer Personen muss man sich schon mit einem leichten Tele (z.B. das 85 mm f/1.8) weiter weg positionieren, um diesen Effekt noch zu erhalten.

Selbst die grössten, für den Amateur bereits unbezahlbaren digitalen Mittelformatsysteme haben derzeit einen Sensor, der im besten Fall noch nicht einmal das Ausmass der alten 6x4,5 Mittelformat-Filmsysteme erreicht, also des „kleinen“ Mittelformates. Von 6x6, 6x7 oder 6x9 keine Spur, von 4x5“ Grossformat oder mehr gar nicht zu reden.

Dabei hat gerade das Format ab 6x6 einen für mich unvergleichlichen Charme, gerade weil die damit verbundenen längeren Brennweiten einen Effekt im Bild hervorrufen, der zwar mittlerweile auch per Software nachgeahmt wird, dessen feine Abstufungen aber derzeit nur mit den grossen Formaten wirklich möglich sind.

Beim Grossformat kommt noch die Verstellmöglichkeit dazu. Die gezielten Steuerung der Unschärfe im Raum ist einer der wichtigsten Vorteile des Grossformats gegenüber allen kleineren Aufnahmeformaten. Natürlich kann man mittlerweile auch ein Rückteil für z.B. die Sinar erwerben, an das eine DSLR angeschlossen werden kann. Nur: das kleine Sensorformat bleibt, es ist damit nicht möglich, die geringe Tiefenschärfe eines 120 mm Objektives einzusetzen, und gleichzeitig einen Weitwinkel-Ausblick zu geniessen. Auf einer DSLR ist ein 120er ein Teleobjektiv, erst auf einer 4x5“ wird es zum leichten Weitwinkel, auf einer 8x10“ schliesslich zum echten Weitwinkel, unter Beibehaltung der Schärfentiefe des 120 mm, wie wir es auch auf der D300s empfinden.

Dieser Effekt der grösseren Formate (egal ob Digital-DX gegenüber Digital-Knipse, FX -DX, Mittelformat gegenüber FX oder eben Grossformat gegenüber allen Digital- und kleinen Film-Formaten) ist etwas, das sich tatsächlich nur durch die Negativ- oder Sensorgrösse steuern lässt. Und einer der Gründe, warum ich immer noch, immer wieder und auch immer mehr mit Film arbeite.

F3_Ektar_057

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Der Film

Das zweite „harte“ Kriterium, das mich immer wieder von Digital zurück zu Film holt, ist das Aufnahmematerial selber. Aus zwei Gründen: seine Einschränkung, und seine physische Präsenz.

Die Einschränkung ist die Tatsache, dass Film zu einer bewussten Entscheidung zwingt: verwende ich den Ektar 100, weil ich für die Landschaft und Herbstfarben ein kräftiges, feinauflösendes Medium brauche? Oder Portra 400, weil ich den Eindruck des nebligen Herbsttages gut rüberbringen möchte? Oder FP4, weil dieser den Charakter der Formen, die Gesichter der Menschen so unverfälscht und klar darstellt? Oder Delta 3200, weil ich die Nachstimmung wiedergeben will und sowieso kaum Licht habe im Theater? In dem Moment, in dem ich den Film einlege, habe ich diese Entscheidung getroffen. Nun komponiere ich meine Bilder so, dass sie die Eigenschaften des Films so gut wie möglich nutzen.

All diese Eigenschaften lassen sich bei der digitalen Kamera je Bild nach Belieben herstellen, manche bereits in der Kamera, alle aber in jedem Fall in der Nachbearbeitung der Software. Werkzeuge wie Silver Effex Pro, einem Aufsatz auf Photoshop und Aperture, ermöglichen die Simulation selbst jedes am Markt erhältlichen s/w-Filmtyps, plus eigener Optimierung.

So gesehen wäre ich mit der digitalen Kamera wesentlich flexibler in der Aufnahme, könnte mich der Situation anpassen, „neutral“ fotografieren und im Nachhinein den Charakter des Bildes hervorheben, der am besten dazu passt.

Hört sich logisch und verlockend an, ist es aber nicht. Nicht wirklich zumindest: denn neben des Charakters des Bildes als Bearbeitung gibt es noch eine zweite Ebene: den Charakter der Aufnahme. Und nur, wenn die beiden zusammenpassen, wird es auch ein eindrucksvolles Bild.

Es macht in meiner Komposition einen grossen Unterschied, ob ich weiss, dass ich grobes Korn, schwarzweiss und hohe Lichtempfindlichkeit habe. Damit mit dem Material ein gutes Bild herauskommt, muss ich auf Hell-Dunkel-Verläufe wert legen, nah herangehen, da kleine Strukturen schwer zu erkennen sind. Der Charakter der Aufnahme wird durch das Material mitbestimmt, also muss ich das Bild auch danach ausrichten.

Umgekehrt bei feinkörnigem Farbfilm wie Ektar 100: gerade die Abbildung feiner Strukturen, die kräftigen Farben und etwas harten Verläufe zwingen mich, Themen und Komposition so auszurichten, dass diese Vorteile des Films zum Tragen kommen.

Wieso soll das nun ein Vorteil des analogen Films sein? Ganz einfach: ich muss Entscheidungen treffen, kann dann aber gezielt und bewusst das Bild „bauen“, den Ausschnitt, die Belichtung und Beleuchtung so wählen, dass der Eindruck verstärkt wird, den ich erreichen möchte. Das schliesst nicht aus, dass man an einem Shooting, einer Wanderung verschiedene Charakteristika abbilden möchte: ein zweites Gehäuse mit anderem Film, ein zweites Rückteil bei Mittelformatkameras, das gibt durchaus etwas Flexibilität. Aber: es bleibt die bewusste Entscheidung, das bewusste Fotografieren, im Gegensatz zum schwammigen „mal sehen, ob man noch was draus machen kann“-Gefühl der digitalen Allzweckwaffen.


Die Archivierung

Der etwas seltsame Vorteil, den Film definitiv hat: die Archivierung. Damit ist nicht unbedingt die physikalische Lagerfähigkeit gemeint (die natürlich auch). Als Digital aufkam, war ich erst einmal glücklich, nicht mehr nur ein Original zu haben, das beschädigt, verloren oder verlegt werden könnte, sondern eine RAW-Datei, die ich mehrmals sichern und damit an verschiedenen Orten in der selben Qualität ablegen könnte.

Dieses Ablegen ist mittlerweile zum Albtraum geworden. Aktuell habe ich mehrere externe Festplatten für die temporären Sicherungen, sowie einen 10 Terabyte NAS mit RAID 6 für die Gesamtsicherung. Trotzdem kann ich nie sicher sein, ob nicht ein Blitzschlag einen Teil meiner Bildbestände vernichtet, ob ich nicht irgendein Verzeichnis aus Versehen gelöscht, übersehen, überschrieben habe.

Dazu kommt, dass ich die Bilder ohne Hilfsmittel nicht sehen kann. Ohne eine Software, ohne einen funktionierenden Computer, sind das nur Dateien, bit und bytes, die der Mensch nun einmal nicht sehen, riechen, fühlen oder schmecken kann. Und wenn sie einmal kaputt gehen, dann sind sie kaputt. Ganz kaputt in der Regel.

F3_Ektar_085

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Bei Negativen und Dias ist das etwas anders. Natürlich ist der Nachteil geblieben, dass es nur ein Original gibt. Aber dieser Nachteil ist durch die Möglichkeit des Scannens relativiert worden. Ich kann die wichtigen Bilder auch elektronisch ablegen und die Vorteile der mehrfachen Sicherung nutzen. Ich kann, aber ich muss nicht.

Gleichzeitig ist das Original sichtbar, ohne dass man irgendwelche Hilfsmittel braucht. Natürlich schaue ich mir nicht in meiner Freizeit stundenlang Farbnegative an und erfreue mich an den schönen Orangetönen der Maske. Aber ich kann die Negativordner durchblättern, kurz prüfen, was ich suche, und bei Bedarf wahlweise analog vergrössern oder digital einscannen.

Wenn Negative oder Dias über die Zeit „Defekte“ entwickeln, so sind sie vielleicht etwas weniger schön, aber doch noch zu erkennen. Ein blasses Dia aus den 60er Jahren, das mein Vater geschossen hat, ist für mich noch ein wertvolles Bild. Ob eine DVD in 50 Jahren überhaupt noch lesbar sein wird, ist eine andere Frage, und wenn sie dann einen Defekt aufweist, ist alles weg. Alles. Nicht blass, nicht fleckig, nicht verklebt. Einfach weg.

Nicht dass ich glaubte, meine Werke müssten um jeden Preis der Nachwelt erhalten bleiben (die das meiste davon wahrscheinlich irgendwann einmal auf den Sperrmüll entsorgen wird). Aber für mich persönlich ist diese Archivfähigkeit von Film mittlerweile wieder ein sehr wichtiges Kriterium für den Einsatz des Materials, da langfristig einfach nicht absehbar ist, wie welche Sicherungsmedien den Zahn der Zeit überstehen.

Kosten

Viele Fotografen sehen die Kosten pro Bild als einen ganz zentralen Vorteil der digitalen Fotografie. Das ist allerdings nach meiner Erfahrung ein Scheinargument, das allenfalls auf Bereiche wie natürlich die Hochzeits-, Event-, Sport- oder ähnliche Massenfotografie tatsächlich zutrifft, wo grosse Bildmengen notwendig sind, sich im Amateurlager aber nicht unbedingt halten lässt.

Tatsächlich haben wir es eher mit einer Kostenverschiebung zu tun. Kalkulatorisch gesehen erkaufen wir uns das (scheinbar) kostenlose Einzelbild mit relativ hohen Investitionen. Wenn man als Amateur, der die meiste Zeit ja arbeiten muss, um seine Brötchen zu verdienen, einen Verbrauch von 1 Film pro Woche über das ganze Jahr annimmt, dann sind das rund 52 Filme. Entwicklungskosten von ca. EUR 5.00 pro Film ergeben Kosten bis zum fertigen Negativ von rund EUR 260.00 pro Jahr, oder rund 500.00 pro Jahr gesamt inklusive der Kosten des Films selber.

Als Vergleich gehe ich mal davon aus, dass ich sowohl Negativ als auch DSLR digital verwalte und drucke, d.h. die Druck-Infrastruktur und die Computer-Welt verursacht gleiche Kosten, beim Negativ kommt der Scanner dazu.

Digital habe ich ungefähr folgende Kosten (Preise auf dem Gebrauchtmarkt, der Vergleichbarkeit halber, auch wenn die Geräte nicht direkt vergleichbar sind wg. Zoom und Festbrennweiten, aber sie decken ähnliche Zielsetzungen ab):

  • D300s – EUR 900.00
  • 17-55 mm f/2.8 AF-S – EUR 750.00
  • 55-200 mm EUR 250.00 (als billige längere Tüte)
  • Speicherkarten in ausreichender Menge EUR 250.00

Macht Digital zusammen mit Ebay-Preisen rund EUR 2'150.00. Neu gekauft wären es noch mindestens die Hälfte mehr.

Dagegen sieht meine analoge Reihe folgendermassen aus:

  • Nikon F3 HP (neuwertig) – EUR 280.00
  • 28 mm f/2.8 AI-S – EUR 160.00
  • 50 mm f/1.4 AI-S – EUR 180.00
  • 200 mm f/4.0 AI-S – EUR 180.00
  • Scanner Epson V600 – neu derzeit rund EUR 250.00

F3_Ektar_089

F3_Ektar_089

Macht analog zusammen rund EUR 1'050.00. Günstiger kann man in beiden Bereichen werden (FG oder F80 statt F3, D90 statt D300s....), aber es soll ja erst einmal nur ein Beispiel sein.

Was sagt und das? Ganz klar: ich kann jede Woche (im Schnitt!) einen ganzen Film verschiessen und brauche trotzdem über 2 Jahre, um die höheren Investitionen von Digital wieder auszugleichen. Entwickelt man selber, verwendet günstigeres Material, dann wird dieser Abstand noch grösser. Die vermeintlich riesige Einsparung, die digitale Technik mit sich bringt, ist eben doch gar nicht so gross, wie manch einer meint, sofern eben nicht riesige Mengen an Bildern erforderlich sind. Für Landschafts-, Portrait- oder Gelegenheitsfotografen stellt sich daher durchaus die Frage, ob Digital wirklich notwendig ist. Zumal die Rechnung für eine Rolleiflex (EUR 250.00, keine Objektive) oder eine Mamiya RB67 (EUR 450.00 mit Standardobjektiv) noch besser ausfällt, bei stark steigender Bildqualität.


Fazit Nummer 1

Von der ursprünglichen Frage, wie ich meine alten Testberichte heute bewertete, bin ich natürlich ziemlich weit abgewichen: es ist eher ein Plädoyer für die analoge Fotografie daraus geworden. Also kurz: ja, die Testberichte sind noch aktuell, wer analog fotografieren will, der darf mein Urteil von damals noch absolut ernst nehmen, ich stehe weiterhin dazu.

F3_Ektar_101

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Fazit Nummer 2

Film ist nicht tot. Im Gegenteil: Film wird zunehmend wertvoller. Den Part der rein dokumentierenden, die mehr oder weniger hässliche Wirklichkeit wiedergebenden Fotografie in Medien und privatem Leben hat nun die digitale Fotografie übernommen, so dass das Medium Film mehr und mehr zur Vermittlung bestimmter Eindrücke eingesetzt wird.

An Film reizt zudem, dass nicht jeder (Verzeihung) Idiot auf den Knopf drücken kann, ohne die geringste Ahnung, was er damit anrichtet. Gute (!) Fotografie mit Film setzt nicht nur bildliches Darstellungsvermögen voraus (das tut gute digitale Fotografie genau gleich), sondern erfordert zudem ein Wissen, das zunehmend exotischer wird. Ähnlich wie in der Malerei, wo Wissen über Farben, Pinsel, Papier und das Verhalten all dieser Werkzeuge miteinander zur unabdingbaren Voraussetzung zählt, ist die Bandbreite der Werkzeuge im Film ähnlich breit, vor allem, wenn man sich an die eigene Entwicklung, vielleicht sogar einmal an die eigene Glasplatte als Aufnahmemedium wagt.

F3_Ektar_165

F3_Ektar_165

Film ist vielseitig. Nicht nur als Medium selber, sondern auch im Hinblick auf die Technik und Aufnahmeformate. Eine Grossformatkamera bester Qualität, ein hervorragendes Objektiv und alles Zubehör ist heute für unter EUR 500.00 gebraucht zu kriegen. Man bedenke, dass das Geräte sind, die noch vor wenigen Jahren in Summe locker in den sechsstelligen Bereich liefen! Die Möglichkeiten, die solche Geräte bieten, sind schier unbegrenzt, die Lernkurve lang, aber interessant. Aber auch eine Mittelformatkamera wie die Mamiya RB67, eine Rolleiflex oder eine Hasselblad eröffnen Welten, die so mit einer Digitalkamera kaum zu machen sind. Und auf der anderen Seite Kleinbildkameras wie die F3 von Nikon oder eine M3 von Leica: sicherlich liefert eine Nikon D7000 ein scheinbar besseres Bild. Das Handling jedoch, und die Ergebnisse, die man z.B. mit einem Ilford Delta 3200 in einem Jazz-Konzert erzielen kann, das bewusste Fotografieren, das bleibt den Geräten vergangener Zeiten vorbehalten.

Aber: es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ich selber war mehrmals kurz davor, das Handtuch zu werfen, wenn ich wieder nach mühsamer und langer Arbeit auf einem ganzen Film kein einziges Bild finden konnte, dass meinen Vorstellungen entsprach. Zum Glück habe ich weitergemacht, denn auch wenn sie noch selten sind und ich sicherlich noch einen weiten Weg gehen muss, bis die Ergebnisse vorzeigbar sind, so ist es doch extrem befriedigend, ein Fotobuch anschauen zu können, dessen sämtliche Bilder von Venedig mit einer Leica M2 in schwarzweiss gemacht wurden, entwickelt, gescannt und schliesslich zu diesem schönen Buch zusammengefügt.

Natürlich bedeutet das alles nicht, dass man NICHT digital fotografieren sollte. Im Gegenteil, ich tue es auch, und dieser Bereich hat durchaus seine Vorteile und seinen Zweck. Ich hoffe aber, doch manch einem Leser einen Anstoss gegeben zu haben, einmal die „Mainstream-Scheuklappen“ abzulegen und sich mit einem Thema zu befassen, das einerseits zunehmend exotisch wird, das andererseits aber gerade durch die Tatsache, dass selbst ehemals unbezahlbare Technik nun auch für den Liebhaber dieser Technik erschwinglich wird, an Reiz gewinnt: die analoge Fotografie.

F3_Ektar_175

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Erstellt am November 18, 2010

Letzte Änderung am Juni 3, 2014

Holger Wahl Holger Wahl (Holger)

Awarded for his excellent article contributions to the Resources. Awarded for his wide variety of skills, a true generalist both in film and digital photography.

Roeschenz, Switzerland
Moderator, 1399 posts

5 Kommentare

Zita Kemeny (zkemeny) am April 17, 2013

Danke, sehr gutes Bericht.

Benutzer am Januar 30, 2011

Ich kann deine Begeisterung für die Leica nachfolziehen - auch ich habe wieder Freude an der analogen Fotografie gefunden und meine Zeiss Contina rausgeholt. Aber jetzt mal ehrlich - das langsame und bewußte arbeiten, kann ich auch mit einer DSLR haben und auch dort kann ich mich auch eine Festbrennweite und eine Iso Einstellung beschränken. Daher Vorteil sehe ich keinen mehr für den KB-Film. Im Mittel und Groß-Format gebe ich dir absolut recht und kopfe selber schon ob ich nicht mir auch mal so etwas gönnen soll. Hättest du mich noch vor ein paar Monaten gefragt, hätte ich gesagt:"Bleib mir mit dem ganzen Computer digital Kram vom Leib!" Rein aus Mangel an digitalem Fotomaterial in meinem Haus. Nachdem ich aber nun auf einer völlig überholten D70 meine ersten Erfahrungen im digitalen Zeitalter doch noch gemacht habe, möchte ich dieses nicht mehr missen. Der KB-Film macht Spass klar und wird bei mir immer Bestandteil meiner Fotografie sein - aber alles was KB kann kann digital auch ob jetzt durch Einstellungen in der Kamera oder erst am Computer eingerechnet. Daher beibt gerade KB nichts als eine liebenswerte anachronischtische Spielerei, die viel Spass vermittelt. Grüße aus Innsbruck Michael

Ernst Poschner (eposchner) am November 24, 2010

Ich hab den Bericht sehr gerne gelesen, kann aber nicht in allen Punkten übereinstimmen. Richtig ist, dass die Archivierung viel Zeit beansprucht, aber auch die analoge Form der Bildaufbewahrung kann einen zur Verzweiflung treiben, es sei denn, man beschränkt sich auf Schuhschachteln, in denen man dann aber kaum jemals wieder etwas findet. Es ist ja nicht a priori ein Muss, dass man mit der digitalen Ausrüstung nur knipsen kann, und mit der analogen Technik "schöne" Fotos macht, sondern auch mit digitaler Technik kann man vor dem Auslösen ein bisschen komponieren und nachdenken, ob sich das Bild wirklich lohnt. Meiner Meinung nach hat die digitale Fotografie einfach den Vorteil, dass man Fotos, die trotz Befassung mit den Grundregeln der Fotografie nicht hundertprozentig geworden sind, am PC mit entsprechender Software, wie z.B. das wunderbare Capture NX2, noch verbessern kann . Ich finde, es geht nicht um analog vs. digital, sondern um fotografieren vs. knipsen! P.S. Auch ich habe eine analoge Vergangenheit mit einer F3, bin aber jetzt mit einer D700 überglücklich! Liebe Grüße, Ernst

Dieter Fröhling (Dieter_Wilhelm) am November 23, 2010

Awarded for his wide variety of skills, a true generalist both in film and digital photography

JA wunderbar der Bericht. Verwende ja immer wieder ne analoge, diesmal war es die F100. Film noch drin. Tja, und ne Leica fehlt auch. Kanns nachvollziehen.. Gruß Dieter

Dieter Fröhling (Dieter_Wilhelm) am November 23, 2010

Awarded for his wide variety of skills, a true generalist both in film and digital photography

JA wunderbar der Bericht. Verwende ja immer wieder ne analoge, diesmal war es die F100. Film noch drin. Tja, und ne Leica fehlt auch. Kanns nachvollziehen.. Gruß Dieter

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