nikonians

Als Nikon-Liebhaber und -Fans sind wir dennoch eigenständig und stehen in keiner Verbindung zur Nikon Corporation

Sprache auswählen:

Zubehör-Testberichte

THINK TANK Urban Disguise 35 V20 Erfahrungsbericht

Holger Wahl (Holger) am März 27, 2012


Keywords: think, tank, urban, disguise, taschen, rucksacke, produkt, artikel, anderer, hersteller

Auf kurzen Spaziergängen mit dem Hund bin ich ein Anhänger der klassichen Colt-Tasche, d.h. der relativ kleinen, von oben zugänglichen Tasche, in die die Kamera mit dme Objektiv nach unten verwahrt wird. Sie ist klein, schnell zugänglich, schützt vor Regen und Stössen, aber sie setzt auch voraus, dass ich mich mit einem, maximal einem zweiten kleineren Objektiv begnüge, dass ich also weiss, was auf mich zukommt.

Für die Wochen-Reise zu meinen Kunden, auf die Messe, zu einer Schulung dagegen tut es der Toploader eindeutig nicht: ich kann nicht mit einer offensichtlichen Fototasche bei meinem Kunden in die Firma spazieren, ausserdem benötige ich mein Notebook, Ladegeräte, Schreibmaterial für die Arbeit, dazu auch mehr Fototechnik, da ich in der Regel nicht die geringste Ahnung habe, was für Foto-Chancen mich erwarten. Gleichzeitig soll das ganze aber noch tragbar sein, unauffällig (sowohl gegenüber meinen Kunden als auch gegenüber möglichen Interessenten aus dem zwielichtigen Bereich), natürlich halbwegs elegant und schliesslich auch bezahlbar.

Eine Zeit lang habe ich dazu einen Rucksack gehabt, den CompuDayPack von LowePro. Er bietet einem 15"-Notebook Platz, dazu in einem unteren Bereich Platz für die SLR mit Objektiv, Ladegerät, Zubehör, sowie darüber Stauraum für weiteres Zubehör und die allgemeine Büro-Ausstattung. Eigentlich perfekt, und auch viel im Einsatz, aber am Ende, nach vielen Kilometern, hielt ich doch Ausschau nach einer Alternative: Für die Wanderung in der Natur war er zu sehr Business-Rucksack, ohne Rückenverstärkung, mit zu wenig Platz und Unterteilung für die grosse SLR. Und fürs Geschäft sah er einfach zu sehr nach Freizeit aus. Dazu kam, dass ich im Hemd oder Anzug keinen Rucksack komplett auf den Rücken schnalle, das liegt mir nicht und fühlt sich vor allem im Sommer auch nicht entspannt an. Also hängte ich ihn mir locker über eine Schulter, nun aber rutschte er immer herunter, und mit Kamera und Notebook war er zudem zu schwer, um so noch bequem herumlaufen zu können. Den CompuDayPack habe ich immer noch, er ist ein wunderbares Werkzeug für Tages- und Städtetouren, als Immer-Dabei-Tasche für Arbeit und Fotografie jedoch nicht das, womit ich mich auf meinen Geschäftsreisen wohlfühlte.

Die lange Suche bei allen renommierten und weniger renommierten Herstellern ergab lange keine Lösung: entweder zu sehr Foto, oder kein Notebook-Fach, oder zu gross, oder zu dick (das ist vor allem bei den Messanger-Bags oft der Fall gewesen), irgend etwas hatte ich immer auszusetzen. Vorrübergehend verkleinerte ich eben die Kamera und nahm nur noch meine kleine Sigma SD1 mit auf die Reisen, oft aber liefen mir Landschaften, Menschen und Gelgenheiten vor die Kamera, für die ich meine "richtigen" Objektive gebraucht hätte, und so machte ich mich im Januar 2012 doch noch einmal auf die Suche nach der "optimalen" Tasche.

Und wurde endlich fündig.

THINK TANK Urban Disguise 35 V2.0

Die Firma Think Tank lief mir eher zufällig über den Weg. Weder kannte ich sie als Herstellerin von Fototaschen, noch sagte mir der Name etwas. Offenbar war man wohl stolz darauf, nachgedacht zu haben, oder stellte zumindest diesen Anspruch: thinktanks bezeichnen im Englischen normalerweise Unternehmen oder Gruppierungen, die strategische Lösungen für unüberschaubare Probleme entwickeln und zum Beispiel Regierungen beraten, indem sie Fallstudien und Szenarien zu möglichen zukünftigen Entwicklungen in Politik und Wirtschaft erstellen. Denkfabriken nennt sich so etwas bei uns.

Neben diversen Behältnissen, die die Firma baut (siehe dazu auch ihre Homepage http://www.thinktankphoto.com), fiel mir bei der Recherche insbesondere die Taschenserie mit der Bezeichnung "urban disguise" auf, zu deutsch etwa "urbane Verschleierung", das heisst das Ziel, etwas anders erscheinen zu lassen, als was es wirklich ist. In anderen Worten: Fototaschen, die nicht wie Fototaschen aussehen und im urbanen oder beruflichen Umfeld nicht als solche hervorstechen.

Das las sich gut: genau das suchte ich. Nur funktionieren mussten sie noch. Denn Taschen, die nicht wie Fototaschen aussehen, hatte ich jede Menge. Nur sahen die nicht nur nicht so aus, sie taugten auch gar nicht als Fototasche. Noch eine Nicht-Fototasche mehr konnte ich nicht gebrauchen, zudem würde meine Frau sowieso bald die Scheidung einreichen, wenn mein Taschen-Friedhof weiter so wachsen würde wie bisher. Ich brauchte also die ultimative Foto-Nichtfototasche, und was ich über Think Tank las, das gefiel mir zunehmend:

Think Tank wurde erst 2005 von 2 Designern, Doug Murdoch und Mike Sturm, sowie 2 Fotografen gegründet: Deanne Fitzmaurice (www.deannefitzmaurice.com) und Kurt Rogers. Deanne Fitzmaurice hatte 2005 den Pulitzerpreis für Journalismus gewonnen, es schienen also Leute zu sein, die wissen sollten, wovon sie reden. Wenn man sich dazu in einem so dichten Feld von Konkurrenten in so kurzer Zeit etablieren kann, und das bei eher überdurchschnittlichen Preisen, können die Produkte eigentlich nicht schlecht sein. Dachte ich mir und schaute mir diese Produkte online an.

Von den Taschen im Programm sagte mir vor allem ein Modell zu: die relativ kleine 35er V2.0. Das Hochformat gefiel mir genauso wie die Einteilung, die Platz für eine grosse DSLR mit 70-200 mm f/2.8 plus 1-2 kleinere Objektive und einen Blitz bot. Zwar besitze ich noch kein 70-200 diese Kalibers, aber zwischenzeitlich hatte ich mein 15"-Notebook gegen eines mit knapp 12" getauscht, so dass auch das relativ kleine Notebook-Fach (bis 13") problemlos reichen würde.

Würde. Das war jetzt das Problem: ich konnte in Basel keinen Laden finden, der diese Tasche vorrätig hatte, damit ich sie mir mal anschauen könnte, zudem wollte ich sie bei Brenner bestellen. Auch ist die Tasche nicht ganz billig: knapp 160 Euro, also gegen 190 Franken, muss man schon budgetieren, und das ist nicht die Grössenordnung, in der ich normalerweise etwas blind bestelle in der Hoffnung, es möge zufälligerweise passen. Am Ende blieb mir aber nichts anderes übrig, ausserdem redete ich mir ein, ich könne die Tasche ja notfalls wieder zurückschicken oder via Auktion verhökern. Gesagt, getan, und kaum 3 Tage später konnte ich das Paket samt Tasche abholen.

Der erste Eindruck: boaaaah! Ich hatte wohl den Firmennamen falsch übersetzt: er bedeutet wohl nicht Denkfabrik, sonder Denk"panzer" (ein Tank ist ja im Englischen auch ein Panzer)! Die Tasche machte einen absolut robusten Eindruck, stabil, kein Firlefanz, einfach... einfach perfekt.

Format

Das erste, was auffällt, ist die Grösse der Tasche: sie ist handlich. Vor allem wohl wegen ihres senkrechten Formates, aber auch wegen der sehr schlichten Form (im Grunde eine grössere Tretrapak Milchschachtel). Gedanklich kann man das am Notebook-Fach festmachen: ein 13"- Notebook ist nur wenig grösser als ein A4-Blatt, etwas so gross wie ein C4-Couvert. Stellt das mal senkrecht vor Euch hin, denkt Euch noch etwas Raum für Stoff und Nähte aussenrum, und schon habt Ihr eine Vorstellung davon, wie klein die Tasche ist.

Der Punkt, der mir jedoch ebenso wichtig ist wie die reine Grösse, ist die Tiefe der Tasche. Und hier haben die Think Tank Leute eine Punktlandung gemacht, zumindest für meine Vorstellung von handlicher Fototasche: Notebook plus Kamera plus Zubehör, etwas Dämmung dazwischen, festes Gewebe, das wenig ausbeult: die Tasche ist genauso tief, wie sie sein muss, dass alles hineinpasst, aber doch so flach, dass man nicht das Problem der meisten Fototaschen hat, die für meinen Geschmack immer zu dick sind oder zu leicht ausbeulen.

Inhalt

Neben zwei kleinen Gummizug-Taschen (z.B. für Getränke) an den Schmalseiten besitzt die Tasche vier Haupt-Fächer: vorne eine Art "Deckel", d.h. die grosse Lasche, die gleichzeitig als Abdeckung für die grosse Fronttasche dient, für Karten, Akkus, Zubehör (mit kleinen Steckfächern und Reissverschluss-Fach), unter dem Deckel eine flache, grosse Tasche für z.B. Kabel, dann den tiefen Bereich für Kamera, Blitz und Objektiv, und hinten schliesslich das Notebook-Fach.

Das Notebook-Fach weist eine Besonderheit auf: die oberen rund 10 cm der gefütterten Trennung zwischen Foto- und Notebook-Fach können nach hinten umgeklappt werden. Das ist dann nützlich, wenn man die Kamera (in meinem Fall die D300) mit Batterie-Handgriff mitnehmen möchte, oder eines der grossen Kaliber wie die D3/D4 mit ihrem integrierten Handgriff. Um auch diese Trümmer in die relativ kleine Tasche versenken zu können, sorgt die Lasche dafür, dass der Handgriff in das Notebook-Fach hineinragen kann. Klar, dass dann kein 13"-Notebook mehr Platz hat, ein iPad oder Netbook hat jedoch immer noch bequem Platz.

Genügend Platz für Geschäftliches
(2 Stimmen)
vorherige Seite Seite 1/2 alle Seiten anzeigen
Holger Wahl Holger Wahl (Holger)

Awarded for his excellent article contributions to the Resources. Awarded for his wide variety of skills, a true generalist both in film and digital photography.

Roeschenz, Switzerland
Moderator, 1102 posts

2 Kommentare

Carsten Guenther (powercc) am April 21, 2012

Ich freue mich, dass Ihnen die Tasche zusagt. Ich habe vom gleichen Hersteller Sling-O-Matic 20 und bin ziemlich enttäuscht. Die haptischen Qualitäten sind allerdings wirklich hervorragend - nur bei meiner Tasche ist das Konzept leider nicht funktional zu gebrauchen, hier gefällt mir Lowepro besser.

Burkhard Gudd (gucky) am März 27, 2012

Tolle Tasche wenn´s unauffällig sein soll! Danke für den Test cu Burkhard

Nach oben