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Kamera-Testberichte Anleitungen

Nikon FM2n Erfahrungsbericht

Holger Wahl (Holger) am Juli 29, 2009


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Ich arbeite hauptsächlich mit DSLR's. Aktuell mit der D300, vorher mit D200, D70s, D40 und D70. Inklusive eines Diebstahls und mehrerer Verkäufe ist meine D300 die neunte DSLR in unserem Haushalt, seit wir mit der D70 angefangen haben, digital zu fotografieren. Von der Kamera über den PC und Mac bis zum HP Drucker ist alles auf digital abgestimmt. Wozu brauche ich dann noch eine FM2n?

Nikon FM2n-Frontview
Nikon FM2n - Frontansicht

Es ist der Reiz des Einfachen. Zeit, Blende, Entfernung. Fertig. Eine Handvoll Metall und Glas, nicht viel grösser als der Multifunktionshandgriff der D200. Mit einer Batterie für die Belichtungsmessung, notfalls geht es aber auch ohne. Jeder Schuss ist kostbar: eines von 36 Bildern, nicht von über 1000 (auf der 16 GB-Karte). Jedes Bild kostet Zeit: Entwicklung, Scannen, ich sehe frühestens nach rund einer Woche, was aus meiner Vision geworden ist. Nicht 20 Bilder im Dauerfeuer, sondern eines, höchstens zwei, überlegt, gut überlegt.


Das ist die Freude am Einfachen. Klar, dass ich mit der FM2n nicht Veranstaltungen fotografiere, an denen Leute später ihre CD mit Bildern haben wollen. Mit der FM2n fotografiere ich Erinnerungen. Erinnerungen an Reisen, Erinnerungen an meine Kinder, an meine Welt. Und Eindrücke. Nicht die nackte Realität, sondern das, was ich sehe. Meistens in schwarz-weiss, weil ich die Abstraktion liebe (und Farben mit der D300 viel besser manipulierbar sind). Und fast immer mit Ilford XP2-Super, weil der sich so gut scannen lässt.

Bilder der FM2n habe ich auf pBase gestellt, sie stammen von einem Arbeitsbesuch in Wien, mit wenig Gepäck und einem freien Nachmittag. Ich habe fast zwei Wochen gebraucht, bis ich endlich alle Bilder gescannt und bearbeitet hatte. Ich hatte nur den einen Nachmittag, nur das eine Licht, und ich kannte mich nicht aus. So habe ich einfach die Eindrücke meines Spaziergangs festgehalten. Zwei Filme, 70 Bilder, das war alles. Aber es war schön.

Eine weitere Reise führte mich nach Köln auf die Photokina, auch hier hatte ich die FM2n mit dem 24er dabei, die Bilder finden sich unter diesem Link ebenfalls auf pBase.

Geschichte

Die FM2n gibt es eigentlich gar nicht. Auf den Kameras steht immer FM2 drauf, egal ob n oder nicht n. Das n findet sich nur in der Seriennummer, und es ist am Zeitenrad zu sehen: die erste FM2 von 1982 hatte eine Blitz-Syncronzeit von 1/200 Sekunde (die rot markierte Zeit auf dem Drehrad), während das verbesserte Modell ab 1983 dann eine von 1/250 Sekunde hatte. "Verbessert" ist ein relativer Begriff: auch die erste FM2 ist ein solides Arbeitspferd, und mir sind keine Macken bekannt, die den Griff zur FM2n ratsamer erscheinen lassen würden. Wie immer ist es vor allem das geringere Alter der FM2n, das von Vorteil sein kann.

1989 wurde auch die FM2n noch einmal verbessert, ohne dass sich etwas am Namen änderte. Erkennbar ist die Änderung am Verschluss: statt den mit einer Wabenstruktur versehenen Verschlusslamellen waren diese nun glatt.

Die FM2 selber war die Nachfolgerin der FM, dem rein mechanischen Schwestermodell der FE, die über einen elektronischen Verschluss und Zeitautomatik verfügte. Während die FE und ihre neuere kleine Verwandschaft FG sehr schnell durch die immer stärker automatisierten Modelle (F301, F501, F601, F801, F90...) abgelöst wurde, war die rein mechanische FM2n bis kurz nach der Jahrtausendwende neu im Geschäft erhältlich und wurde sogar noch 2001 durch die FM3a abgelöst, die Krönung der FM-Serie mit einem hybriden Verschluss, der sowohl elektronisch als auch mechanisch funktionierte und so eine Zeitautomatik ermöglichte (eigentlich hätte die FM3a eher FE2 heissen müssen). Erst die digitalen Kameras beendeten die Produktion der FM-Serie im Jahr 2006. Zusammen mit dem M-Modellen von Leica waren die FM die letzten hochwertigen mechanischen Kameras, die in Serie gefertigt wurden. Heute ist neben den einfacheren Voigtländer- und Cosina-Modellen (sowohl Sucher- als auch SLR-Modelle) nur noch die Leica MP und M7 im gehobenen Bereich auf dem Markt, sowie die zwar auch von Cosina gebaute, aber doch sehr viel wertigere Zeiss Ikon, eine Sucherkamera ähnlich der Leica M.

Nikon-Fans bleibt also nur noch die Suche nach gebrauchten Geräten, von denen es glücklicherweise aber noch sehr viele in gutem Zustand auf dem Markt gibt. Die Mechanik bringt es zudem mit sich, dass auch alte Geräte gut repariert werden können.

 

Bäume und Himmel - FM2n, 24mm f/2.8, Ektar 100
Bäume und Himmel - FM2n, 24mm f/2.8, Ektar 100

Das Gehäuse der FM2n

Das Gehäuse ist sehr filigran, verglichen mit den neuen DLSR-Boliden, aber auch im Vergleich zur F3 oder den einfacheren FG-Modellen.

Wie bei den meisten damaligen Kameras ist die Rückseite sehr übersichtlich: der Sucher (rund, mit einem sehr dünnen, aber effektiven Gummiring, der die Brille vor dem Verkratzen schützt, und auf dessen Vorhandensein man beim Kauf eines älteren Modells zumindest als Brillenträger achten sollte), ein Halter für die Filmlasche, fertig. So mancher wünscht sich ein Fenster, durch das man den Film sehen könnte. Das gibt es sogar: die Rückwand der FM3a passt auch an die FM2n, die Frage ist nur, ob man eine finden kann.

Auf der Vorderseite der Kamera geht es ähnlich übersichtlich weiter. Zwei Hebel und ein Knopf, mehr ist da nicht. Von vorne aus gesehen liegt der Knopf auf der rechten Seite, er dient der Entriegelung des Objektivbajonetts. Wie bei allen Nikon-Kameras wird das Objektiv beim Ansetzen gegen den Uhrzeigersinn gedreht, bis es einrastet, zum Abnehmen drückt man den Entriegelungsknopf und dreht das Objektiv im Uhrzeigersinn.

Einer der beiden Hebel auf der (vom Fotografen aus gesehenen) rechten Seite sitzt direkt neben dem Objektiv, mit ihm kann man das Objektiv auf die eingestellte Arbeitsblende abblenden. Damit man beim Blick durch den Sucher etwas sieht, arbeiten alle heutigen Spiegelreflexkameras mit einer automatischen Springblende: die Blende im Objektiv ist immer ganz offen, erst beim Auslösen springt sie automatisch auf die eingestellte Öffnung. Damit man jedoch die Möglichkeit hat, die aus einer kleineren Blendenöffnung resultierende Tiefenschärfe zu beurteilen, kann man bei vielen Kameras manuell abblenden. Das Bild wird bei kleiner Blende dann sehr dunkel, aber man kann das Ergebnis viel besser beurteilen. Manche moderne DSLR's haben diese Funktion ebenfalls, meist wird sie hier jedoch elektrisch, nicht mechanisch ausgelöst. Das Problem dabei ist, dass es nur zwei Sichten gibt: ganz auf, oder ganz zu. Der mechanische Hebel der FM2n hat den Vorteil, dass man die Blende langsam schliessen kann, das Auge kann sich an die Dunkelheit gewöhnen, zudem sieht man die Zwischenstufen und muss nicht mit der Blende herumprobieren, bis die Tiefenschärfe dem eigenen Gusto entspricht.

Der zweite Hebel auf der Frontseite ist der Selbstauslöser. Wird er gespannt, läuft beim Auslösen erst einmal ein kleines Uhrwerk ab, bevor der Verschluss zuschnappt.

Die Unterseite der Kamera ist ebenso übersichtlich wie die Front, hier finden sich lediglich das Stativgewinde, das Batteriefach sowie der Anschluss für den Winder, den elektrischen Motorantrieb der Kamera, den es optional zu kaufen gab. In einer Vertiefung findet sich ein kleiner Stift, dies ist die Entriegelung des Filmvorschubs. Ihn muss man drücken, damit man dann den Film mit der Kurbel zurückspulen kann. Beim Einlegen eines neuen Films springt die Verriegelung automatisch wieder heraus.

Anders als bei modernen DSLRs haben die linke und rechte Seite der Kamera ausser den Gurtösen überhaupt nichts zu bieten.

 

Laufental - FM2n, 45mm f/2.8 P, Ektar 100
Laufental - FM2n, 45mm f/2.8 P, Ektar 100

Bleibt also die Oberseite. Das sehr schmale und kleine Prismengehäuse mit dem Blitzschuh sitzt prominent leicht links von der Mitte. Blitzen ist wie mit der F3 auch mit der FM2n keine sehr befriedigende Angelegenheit, es gibt keine TTL-Blitzbelichtungsmessung, hier ist Handarbeit angesagt. Wenigstens gibt es den Norm-Blitzschuh, so dass anders als bei der F3 zumindest kein Adapter verwendet werden muss.


>Vom Fotografen aus gesehen links sitzt die Rückspulkurbel, die gleichzeitig die Entriegelung der Rückwand übernimmt. Damit die Rückwand entriegelt werden kann, muss man einen kleinen Hebel links von der Kurbel nach hinten ziehen und gleichzeitig die Kurbel selber nach oben. Der kleine Hebel ist eine Sicherung, um zu verhindern, dass die Rückwand aus Versehen geöffnet wird, sollte man mit der Kurbel einmal irgendwo hängenbleiben.

Auf der rechten Seite von aussen nach innen findet sich der Aufzugshebel, das Fenster mit dem Bildzähler sowie das Zeitenrad. Der Aufzugshebel schaltet die Kamera ein und aus: will man fotografieren, zieht man den Hebel ein Stück nach hinten, er rastet dann ein. Damit wird der Auslöser freigegeben und die Belichtungsmessung aktiviert, sofern man eine Batterie in der Kamera hat. Ein sehr schönes und einfaches Prinzip, nur "Linksaugen" wie ich, d.h. Menschen, die ein dominantes linkes Auge haben und damit durch den Sucher blicken, haben den Aufzugshebel immer im rechten Auge stecken. Kein gravierender Punkt, man gewöhnt sich daran.

Vor jedem Foto muss man den Verschluss spannen und den Film ein Bild weitertransportieren. Das kann man mit einem vollständigen Schwung des Hebels machen, oder mit mehreren Teilschwüngen. Weiter als ein Bild geht nicht, die Kamera sperrt automatisch. Ich pflege den Verschluss immer erst vor einer Aufnahme zu spannen, damit die Federn des Mechanismus nicht im gespannten Zustand bleiben, wenn die Kamera nicht verwendet wird. Allerdings nervt es etwas, wenn man ans Spannen nicht gedacht hat, ein schnelles Bild schiessen will und sich nichts tut. Es bleibt also Geschmackssache, ob man lieber kurz vor oder sofort nach einer Auslösung den Verschluss neu spannt.

Das Zeitenrad hat zwei Funktionen: einerseits stellt man mit ihm die gewünschte Verschlusszeit ein (durch Drehen), andererseits kann man das Rädchen anheben und in dem Sichtfenster auf dem Rad die Filmemfindlichkeit des verwendeten Films einstellen.

Die Zeiten können von 1 bis 1/4000 Sekunde und B eingestellt werden. Die 1/4000 Sekunde war das grosse Highlight der FM2, und auch wenn sie im richtigen Leben sehr selten benötigt wird, so vermittelt sie doch das schöne Gefühl, dass die Zeiten im "normalen" Bereich relativ genau sein müssen, wenn ein so weiter Bereich mechanisch abgedeckt werden kann. Wer Zeiten von mehr als 1 Sekunde benötigt, der muss selber zählen: mit der Einstellung "B" bleibt der Verschluss so lange geöffnet, wie man den Auslöser gedrückt hält. Da der Verschluss mechanisch bedient wird, sind der Langzeitbelichtung keine Grenzen gesetzt. Bei modernen elektronischen Verschlüssen kann es dagegen schon einmal passieren, dass der Verschluss schlapp macht, weil der Akku leer ist.

Die Filmempfindlichkeit lässt sich von ISO 12 bis 6400 einstellen. Damit dürfte die Mehrheit der Anwender ausreichend Spielraum haben.

Nun, das waren schon alle Hebel und Schalter an dieser kleinen Kamera. Kommen wir zur Bedienung.

 

Kira - FM2n, 45mm f/2.8 P, Ektar 100
Kira - FM2n, 45mm f/2.8 P, Ektar 100

 

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Holger Wahl Holger Wahl (Holger)

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