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Nikon D90 Erfahrungsbericht
by Holger Wahl

Nikonian Holger Wahl
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Nikonian in der Schweiz

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  Nikon D90 im richtigen Leben
  Das Gehäuse im Überblick
  Belichtung und Videoaufnahme
  Bildqualität und Testbilder
  Active D-Lighting & Fazit
 
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Nikon D90 ERFAHRUNGSBERICHT

Belichtungssteuerung

Der grösste Unterschied zu den professionellen Gehäusen sitzt bei der D90 auf der Oberseite: das Wählrad zur Einstellung der Belichtungssteuerung. Wie bei den Vorgängermodellen und der D40/D60-Reihe hat man hier neben den klassischen Einstellungen (Vollautomatik P, Zeitautomatik A, Blendenautomatik S und komplett manueller Einstellung M) die „intelligenten“ Programme.

Neben der grün markierten Einstellung „Auto“ (im Englischen auch Idiot-Mode genannt, weil die Kamera hier bis zum Blitz wirklich alles selber macht und die manuellen Eingriffsmöglichkeiten praktisch vollständig ausgeschaltet werden) und den diversen Sport-, Landschafts- und Portrait-Voreinstellungen ist eine ziemlich praktische Variante dazugekommen: Auto ohne Blitz. Das grösste Ärgernis an der „grünen“ Einstellung ist für fast alle Anwender, dass sie auch den Blitz automatisch ausklappt, selbst wenn das (in der Kirche oder in Museen) nicht erwünscht ist. Mit der Einstellung „ohne Blitz“ kann man die Kamera alles automatisch machen lassen, ohne befürchten zu müssen, von plötzlichem Blitzlicht erschreckt zu werden.

Kompatibilität

Die Kompatibilität ist bei Nikon legendär. Obwohl es mit der Kompatibilität im richtigen Leben nicht so ganz weit her ist, weil doch einige Einschränkungen vorliegen, hat Nikon es durch die Beibehaltung des F-Bajonetts geschafft, den Ruf des kompatibelsten Systems zu bekommen. Vor allem, weil Canon mit der Einführung der AF-Kameras einen vollständigen Bajonett-Wechsel vorgenommen hat, so dass riesige Mengen alter, aber guter manueller Canon-Objektive nutzlos verstauben.

Mit Kompatibilität ist dabei gemeint, dass auch alte manuelle Objektive auf jede neue Kamera passen, also auch ein 30 Jahre altes AI-Weitwinkelobjektiv auf die modernste DSLR. Das ist in der Tat eine ganz zentrale Eigenschaft des Nikon-Systems, erlaubt es doch den Zugriff auf einen riesigen Markt an gebrauchten Objektiven, so dass man auch als Amateur ohne Foto-Sponsor ausgefallene Optiken erwerben kann, eben gebraucht.

Leider teilt sich die D90 eine Eigenschaft mit der D80 und D70, die die Verwendung alter Objektive nur mit Einschränkungen zulässt: wenn das Objektiv nicht „gechipt“ ist, also keinen Computer-Chip zum Auslesen der Objektivdaten besitzt, dann ist keine Belichtungsmessung möglich. Das trifft auf praktisch alle manuellen Nikon-Objektive zu. So können die Objektive zwar verwendet werden, Schärfe und Belichtung muss aber vollständig von Hand einstellt werden, wie bei meiner guten alten Rolleicord. Bei statischen Objekten ist das kein Thema: dank des Bildschirms und des Histogramms lässt sich sofort prüfen, ob die Einstellungen stimmten, und ggf. ein korrigiertes Bild erstellen. Für Action- oder Sportfotografie ist das allerdings weniger praktikabel.

Damit ist die D90 zwar flexibler als die D40/D60, bei denen schon die „normalen“ AF-Objektive (also ohne AF-S, den direkten Antrieb des Autofokus im Objektiv) keine automatische Scharfstellung mehr möglich ist, aber nicht so flexibel wie die D300, mit der auch manuelle Objektive vollständig kompatibel sind.

Nikon D90 Herbstbild - Nikonians
Herbstbild - Nikon D90 1/40s, f/5.6

Film (im Sinne von Video natürlich)

Das Thema Film habe ich etwas aufgeschoben. Obwohl es das wichtigste Medienthema ist, ist die D90 in erster Linie ein Fotoapparat, keine Filmkamera. Und auch der Sensor und Verschlussmechanismus ist der eines Fotoapparates, das wird an einigen Details sehr deutlich sichtbar.

Die erste Frage nach der Inbetriebnahme der Kamera ist natürlich: wie Filme ich denn überhaupt? Ohne den Hinweis auf die Film-Möglichkeit gibt es nämlich kein Bedienelement an der Kamera, was den Schluss auf diese Eigenschaft zuliesse. Ein Blick in die Bedienungsanleitung sorgt dann aber für Klarheit:

LV-Taste drücken, der Spiegel klappt hoch und im Monitor erscheint das Sucherbild. Statt auf den Auslöser wie beim Live-View-Bild drückt man auf die OK-Taste in der Mitte der Schaltwippe, und los geht’s, die Kamera nimmt einen Film auf. Mit Mono-Ton, dazu gibt es kleine Löcher an der Frontseite der Kamera für das Mikro, und sehr gutem Bild.

Zum Beenden drückt man einfach wieder auf die OK-Taste. Anschauen lässt sich das Kunstwerk dann ganz normal mit der Replay-Taste links oben auf der Rückseite, sogar mit Ton. Die Qualität des HD-Bildes kommt dabei natürlich auf dem kleinen Bildschirm nicht rüber, dazu schliesst man die Nikon besser an den Fernseher an oder überträgt den Film auf den PC oder Mac.

Wie oben erwähnt gibt es aber doch einige Punkte, an denen die Priorität der Kamera fürs Fotografieren erkennbar ist. Zwar sind Auflösung (1280 x 768) und Wiederholungsrate mit 24 Bildern / s durchaus auf richtig hohem Niveau, die technische Umsetzung ist jedoch stark von den Anforderungen eines Fotoapparates geprägt. So gibt es keinen mechanischen Verschluss, d.h. die Bilder werden nicht „auf einmal“ aufgenommen, sondern es werden die Zeilen des Sensors von oben nach unten ausgelesen, dann wieder von Neuem von oben und so weiter. Im Prinzip ist das in Ordnung, ein Problem kann es nur bei Aufnahmen schneller Bewegungen geben, da diese zu einer diagonalen Verzerrung führen.

Die Blende muss vor dem Umschalten eingestellt werden und kann während des Filmens nicht mehr verändert werden. Gegenüber den kleinen Knipsen hat man zwar so den Vorteil, wunderschöne Filme mit geringer Tiefenschärfe dank offener Blende machen zu können, aber sie ist dann auch nicht veränderbar.

Die Lichtmenge wird ausschliesslich über die Sensorempfindlichkeit gesteuert, die Anpassung erfolgt etwas zögerlich und ruckhaft (Schwenk von hell nach dunkel führt zu einer sichtbar abgestuften Anpassung, keinem weichen Verlauf).

Das war’s dann aber auch schon mit der Kritik. Das Ergebnis liegt deutlich über dem der Mini-Knipsen, und wer mehr filmt, sollte sich unbedingt eines der guten alten AIS-Zooms (manuell) suchen, mit weichem Entfernungs- und Zoomring, damit sind Einstellungen möglich, die nah an die „professioneller“ Filmkameras herankommen. Wer allerdings in erster Linie eine Filmkamera sucht, dem sei an dieser Stelle doch ein spezifisches Produkt empfohlen, so gut die Bilder der Nikon qualitativ sind, in erster Linie ist sie ein Fotoapparat.

Diesen Film koennt ihr exclusiv im Nikonians D90 Forum anschauen.
D90 Der Eiger Nordwand Film.

Handling

Damit wären wir beim Umgang mit der Kamera im richtigen Leben angekommen. Aus allem, was ich oben geschrieben habe, geht ja schon hervor, dass die Kamera neben einigen Revolutionen auch und vor allem eine Evolution, eine in vielen Punkten optimierte Version ihrer Vorgängerinnen ist.

Wer von der D70 oder D80 kommt, der wird sich kaum umstellen müssen. Es ist fast alles wie vorher, nur besser. Bei Nikon sind es vor allem die Kleinigkeiten, die Position z.B. des Ein-/Aus-Schalters um den Auslöser herum, der Bildschirm, die Durchgängigkeit der Bedienung, die den Wert der Kamera ausmachen. All das, was mich an Nikon so fasziniert, sind genau diese Kleinigkeiten, nicht die grossen spektakulären Elemente wie riesige Pixelmengen oder HD-Filmen, sondern das Zusammenspiel aller Funktionen.

Ganz massiv hängt es natürlich davon ab, von welcher Seite man zur D90 kommt, ob aus dem D60/D70/D80-Lager, von Fremdfabrikaten, oder aber von Seiten der D200/D300/D700.

Erstere werden einen perfekten Qualitätseindruck erhalten: hochwertiger Kunststoff, enge und gleichmässige Fugen, alle Räder und Knöpfe rasten sauber und geben gute Rückmeldung an den Benutzer, der Sucher ist das Beste, was man im DX-Bereich finden kann, der Monitor sowieso. Die Hand findet perfekten Halt, im Griffbereich ist der Kunststoff aufgerauht und die Form schmiegt sich perfekt an kleine wie an grosse Hände. Alle Klappen sind ausreichend stabil, gut befestigt und sehen nicht so aus, als würden sie bei normalem Gebrauch abbrechen. Von allen Kameras, die in dieser Preisklasse derzeit am Markt sind, ist es nach meinem persönlichen Empfinden die derzeit beste Variante.

Die von „oben“ kommende Fraktion ist natürlich ein wenig verwöhnter, was das Handling betrifft. Wo sich bei der D200/D300 weicher Gummi an Finger und Stativplatte schmiegt, die Knöpfe sich auch mit Handschuhen bedienen lassen und das Gehäuse den Eindruck erweckt, als könne man damit zur Not auch einmal einen Nagel in die Wand schlagen, da fühlt sich bei der D90 natürlich alles etwas billiger an. Aber das ist sehr subjektiv. Nach meiner (leider auch persönlichen) Erfahrung ist es im Gegenteil so, dass die leichteren und elastischeren Kunststoffgehäuse der kleineren Nikon-Modelle harte Schläge sogar besser wegstecken als die schweren Profi-Geräte, die alleine durch ihr eigenes Trägheitsmoment auf Grund des höhere Gewichtes bei einem Aufprall auf den Boden sehr viel mehr Verformungsenergie mitbringen. Gefühlte und tatsächliche Haltbarkeit liegen also nicht immer auf derselben Ebene.

Wo gefühlte Qualität noch eher subjektiver Natur ist (und auf das Bildergebnis letzten Endes keinen Einfluss hat), da sieht das Handling in technischer Hinsicht schon anders aus. Es gibt bei Nikon eben zwei Philosophien, deren Abgrenzung sich genau durch die Kameragruppen für Amateure und die für (Semi-)Profis zieht. Der äusserliche Unterschied ist das Einstellrad für die Belichtungssteuerung der D90. Für alle Fotografen, die hauptsächlich in automatischen Einstellungen arbeiten und den Programmen den Hauptteil der Arbeit überlassen, sind damit bestens bedient. Die Wahl zwischen P, A, S, den Motivprogrammen oder der Vollautomatik ist direkt und einfach möglich, kann ohne Knöpfchendrückerei umgestellt werden. Wer von der D40, D60 oder D80 kommt, wird sich im Gegenteil mit dem Layout einer D200 oder D300 eher schwer tun. Hier steht die direkte Einflussnahme des Fotografen auf die Einstellungen im Vordergrund, voreingestellte Programme wie Sport, Portrait etc. gibt es erst gar nicht. So wird auch das Urteil jedes einzelnen davon abhängen, wie seine vorige / andere Kamera aussieht: ein perfektes Handling, wenn man neu einsteigt oder von den kleineren Nikons kommt. Stark gewöhnungsbedürftig und nicht immer optimal, wenn man den direkten Zugriff auf die Einstellungen einer D200 ff. gewohnt ist.

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