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Nikon D90 Erfahrungsbericht
by Holger Wahl

Nikonian Holger Wahl
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  Nikon D90 im richtigen Leben
  Das Gehäuse im Überblick
  Belichtung und Videoaufnahme
  Bildqualität und Testbilder
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Nikon D90 ERFAHRUNGSBERICHT

Anschlüsse

Die ganze linke Seite ist von zwei Gummiklappen belegt, unter denen sich die Anschlüsse verbergen. Die kleinere unten am Gehäuse ist nagelneu, hier steht "GPS" drauf, offensichtlich der Anschluss für den neuen GPS-Tracker von Nikon, den GP-1. Ich habe das Gerät noch nicht ausprobiere können, vor allem für die Reisefotografie dürfte das eine schöne Sache sein, zumal auf MyPictureTown (Nikons Online-Bilderalbum für Nikon-Fotografen) jetzt auch die Möglichkeit der geographischen Anzeige des Aufnahme-Standortes besteht. Ich bin gespannt darauf!

Die weiteren Anschlüsse sind bekannt, ein schneller USB 2.0-Kontakt gehört genauso dazu wie DC-IN, AV-OUT, HDMI (für die hochauflösende Darstellung auf entsprechenden Bildschirmen, Foto genauso wie Film).

Vorderseite

Auf der Vorderseite hat sich nicht viel getan, links am Prismengehäuse sind zwei Knöpfe, mit denen der Blitz manuell ausgeklappt bzw. die Blitzbelichtungskorrektur eingestellt werden kann, darunter der Knopf für die Einstellung von Belichtungsreihen. Weiter unten noch die Objektiventriegelung und der Hebel für die Umschaltung zwischen Autofokus und manueller Scharfstellung. Auf der anderen Seite des Objektives gibt es den Knopf, mit dem auf die Arbeitsblende geschaltet wird. Den hatte ich bei der D70 wirklich vermisst, man kann nämlich wunderbar prüfen, wie die tatsächliche Tiefenschärfe bei der verwendeten Blende aussieht (da die Kamera ja normalerweise dem Anwender immer die vollständig offene Blende zeigt und erst beim Auslösen die Blende geschlossen wird).

Oberseite

Oben sieht die Welt noch gleich aus wie bei der D80, D70-Nutzer müssen sich dagegen etwas umstellen. Sie werden aber die Zusammenfassung der Knöpfe für AF-Betriebsart, Belichtungsmessart und Bildfolgemodus in einer Gruppe hinter dem Auslöser genauso begrüssen wie die Verlegung der Beleuchtung des oberen Bildschirms vom separaten Knopf in den An/Aus-Ring um den Auslöser. Das sind die Punkte, die typisch für Nikon sind: einfache, logische Bedienung, absolut perfekt.

Rückseite

Auf der Rückseite fällt natürlich zentral der grosse Bildschirm ins Auge. Mit 920.000 Pixeln und 3 Zoll Diagonale ein Prachtstück, zur entspannten Menübedienung genauso wie zur Bildbeurteilung und neu per Live View auch zur Komposition bei der Aufnahme. Anders als bei der kleinen D40/D40x/D60 ist auch der Monitor der D90 serienmässig mit einer Abdeckung geschützt, die ausgewechselt werden kann. Einerseits ist sie bei mir immer auf dem Monitor drauf, andererseits fluche ich immer wieder leise, wenn sich Staub zwischen Monitor und Abdeckung sammelt und bei kritischen Lichtverhältnissen (vor allem Seitenlicht) das Bild verschleiert. Man kann nicht alles haben...

Nikon D90 Back - Nikonians
Nikon D90 - Rückansicht

Die grundsätzliche Anordnung der Knöpfe hat sich gegenüber der D80 nicht verändert, dafür sind aber zwei neue dazugekommen und es hat eine sehr wesentliche Änderung gegeben: der OK-Knopf ist nun nicht mehr separat in der Landschaft verstreut, sondern in der Mitte der 4-Wege-Wippe angeordnet, mit der z.B. die Menüauswahl getroffen werden kann. Das „OK“ einfach in die Mitte der Wippe zu legen, das mag ein bisschen popelig klingen unter dem Titel „wesentliche Änderungen“, aber es sind gerade diese kleinen Dinge, die die Arbeit sehr erleichtern, oder aber auch sehr stören können.

Nachdem der OK-Knopf nun aus dem Weg ist, hat seine Stelle ein anderer neuer Knopf eingenommen: INFO. Mit dem INFO-Knopf können die wesentlichen Einstellungen der Kamera, die sonst auf dem oberen Display zu sehen sind, auf den grossen Monitor geholt werden. Und noch ein paar mehr. Das hört sich jetzt erst einmal doof an, schliesslich kann ich das ja auch oben auf dem kleineren Monitor betrachten. Eigentlich schon. Aber was ist, wenn die Kamera auf dem Stativ steht, zu hoch oder geneigt ist? Wenn diejenigen unter uns, denen altersbedingt die Arme zum Lesen zu kurz werden, auf dem kleinen Display nicht viel erkennen können? Es ist eine sehr schöne Sache, sich alles gross, lesbar und beleuchtet auf dem riesigen Monitor anzeigen lassen zu können. Und mit den Knöpfen links davon und dem hinteren Einstellrad die Werte für ISO, die Bildqualität oder den Weissabgleich einstellen zu können.

Live View

Der zweite, ganz neue Knopf trägt das Kürzel LV. Das steht für Live View, also Echtzeitbetrachtung. Als ich die Kamera bekommen habe, fand ich das ziemlich albern, schliesslich hat das Gerät einen wirklich hervorragenden Sucher. Wenn ich Bilder über Monitore schiessen wollte, hätte ich mir ja auch eine kleine Knipse kaufen können. Nun, das ist eigentlich korrekt, meine Meinung hat sich aber in dem Moment drastisch geändert, als ich eine Aufnahme von Bodenhöhe aus machen wollte, Weitwinkel, meinen Hund Kira im Vordergrund und den Herbstwald im Hintergrund. Im Sommer kein Problem, da legt man sich ins frische Gras, aber im nassen Herbstlaub und Schlamm sah das deutlich unbequemer aus. Also: LV drücken, es klackert kurz (weil der Spiegle hochklappt), dann erscheint das Sucherbild auf dem Monitor. Da der Monitor auch von der Seite aus gut einsehbar ist, konnte ich das Bild in Ruhe komponieren und abdrücken. Das ganze ist etwas gewöhnungsbedürftig (wegen der Spiegelklapperei). Ich halte es für eines dieser Dinge, die man selten braucht, aber wenn man sie dann braucht, dann ist man froh, dass die Kamera es kann. Optimal wäre dafür allerdings noch ein schwenkbarer Monitor, damit man wirklich am Boden und über Kopf arbeiten kann.

Weiter gibt’s auf der Rückseite der Kamera nichts Besonderes mehr, der Mülleimer zur Entsorgung unerwünschter Bilder ist genauso vorhanden wie die AE-L/AF-L Taste zur Speicherung der Belichtung und / oder Schärfe (via Menü) und ein kleines Rad zur Dioptrienverstellung. Letzteres wird zwar vor allem in den Fotozeitungen immer als grosse Errungenschaft gepriesen, wegen des kleinen Einstellbereiches des popeligen Rädchens ohne Skalierung empfinde ich persönlich diese Lösung eher als Ärgernis. Ein Aufsatz wie bei meiner FM2n mit einer klaren Dioptrien-Angabe wäre mir persönlich lieber, aber da mag ein jeder seine eigenen Präferenzen haben. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass dieses Teil eher für die Fotozeitungen bestimmt ist, damit sie keinen Grund zum Meckern haben. „Man“ hat schliesslich eine Dioptrien-Einstellung...

Sucher

Apropos Sucher: mit das Beste an der Kamera, vor allem, wenn man von der D40/D60 oder der D70 kommt. Wie schon ihre Vorgänger hat auch die D90 einblendbare Gitterlinien, die die Ausrichtung und die Einteilung des Bildes erleichtern. 11 AF-Messfelder liegen weit verteilt im mittleren Bereich des Suchers, unten sind die Einstellungen der Kamera zu erkennen, analog dem kleinen Monitor. Praktisch ist, dass analog zum kleinen Monitor auf der Oberseite der Kamera auch hier die Werte eingeblendet werden, wenn eine Taste gedrückt wird, z.B. der ISO-Knopf. Mit etwas Übung kann man die meisten Einstellungen an der Kamera vornehmen, ohne das Auge vom Sucher nehmen zu müssen.

Autofokus

Beim Autofokus gibt es ebenfalls Neues, auch wenn das AF-Modul mit den 11 Messpunkten noch das Selbe wie in der D80 ist. In den Individualfunktionen bei der Messfeldauswahl des Autofokus kann man jetzt neben Einzelfeld oder Dynamisch daher auch noch automatische Gruppierung und 3D-Tracking (11 Messfelder) auswählen.

Denn mit dem neuen Exceed-Prozessor und dem RGB-Sensor für die Belichtungsmessung hat die D90 wie ihre „grossen Brüder“ nun die Möglichkeit, Objekte aktiv zu verfolgen, wobei auch die Farbe berücksichtigt wird. Vor allem im Sport ist das eine feine Sache, vorausgesetzt, das Objektiv verfügt über einen schnellen Autofokus, und vorausgesetzt, man befindet sich im AF-C Modus, d.h. der kontinuierlichen Schärfenachführung. Bei AF-S (setzt die Schärfe fest, wenn sie einmal gefunden wurde) geht das natürlich nicht.

Die automatische Gruppierung führt zu einem Ergebnis, wie man es von den kleinen Knipsen kennt: mehrere AF-Felder leuchten gleichzeitig auf, für den Anwender ist auf einen Blick zu sehen, welche Bereiche im Bild scharf gestellt werden.

Im Live-View-Modus ist auch eine Gesichtserkennung dazugekommen. Ich habe das mal ausprobiert, und es scheint tatsächlich zu funktionieren. Und es ist eine feine Sache: nicht mehr Gesicht anpeilen, Schärfe speichern, dann Ausschnitt wählen und abdrücken, sondern einfach nur Ausschnitt wählen, die Kamera findet die Gesichter von alleine, und abdrücken.

Diese Möglichkeiten sind interessant und verbessern das Ergebnis beim vollautomatischen Einsatz deutlich, trotzdem ist es immer nur eine Verbesserung eines Automatismus, und das heisst, dass der Anwender letzten Endes nicht weiss, warum die Kamera jetzt auf genau dieses Ergebnis kommt. Persönlich ziehe ich daher die Einstellung auf ein Einzel-AF-Feld vor, stelle es auf das mittlere Feld fest und arbeite mit der AF-Speichertaste (AE-L/AF-L), diese Möglichkeiten gibt es natürlich nach wie vor.

Nikon D90 Fall Image - Nikonians
Herbstbild - Nikon D90 - 1/25s, f/5.6

 

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