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Nikon FM2n Erfahrungsbericht
by Holger Wahl

Nikonian Holger Wahl
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Nikon FM2n ERFAHRUNGSBERICHT

Fotografieren

Das Fotografieren mit der FM2n unterscheidet sich nicht unwesentlich vom Fotografieren mit einer DSLR. Eigentlich ist es ganz einfach, denn es gibt kaum etwas einzustellen. ISO bringt der Film mit, Weissabgleich gibt es nicht, man muss nicht entscheiden, ob man im RAW oder JPG-Fotografieren will, oder ob die Auflösung fein, mittel oder normal sein soll, der Farbraum muss nicht ausgewählt werden (man braucht noch nicht einmal wissen, was das ist), man muss nicht entscheiden, ob man den Autofocus über die Auslösteaste oder die AF-L-Taste steuern will, keine Entscheidung muss über die Belichtungsmessung gefällt werden, weder Spot, noch Mittenbetont oder gar Matrix, genauso unwichtig ist die Wahl des AF-Messfeldes, und auch die Frage, welchen VR-Modus man am besten wählt, ist vollkommen überflüssig.

Alleine die Zeit und die Blende müssen gewählt werden, die Entfernung eingestellt, und fertig, abdrücken, das war's. Natürlich kann man das Ergebnis auf keinem hochauflösenden Bildschirm sehen, Vorstellungskraft, Geduld und die Vorfreude auf das Ergebnis sind die altmodischen Tugenden, die der FM2n-Fotograf mitbringen sollte.

Auch ist mit Bild Nr. 36 ein Filmwechsel angesagt. Aber nicht nur deshalb, auch der aufwendigen Bearbeitung wegen, die in meinem Fall das Scannen mit sich bringt, überlegt man sich die Bilder gut, schiesst keine 10 Stück auf Verdacht und in der Hoffnung, es möge das Richtige dabei sein.

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Wenn man extrem schnell sein will oder muss (Schnappschüsse), stellt man Blende und Zeit so ein, dass ein tiefer, dem erwarteten Objekt entsprechender Bereich scharf ist, anschliessend braucht man im Prinzip nicht einmal mehr durch den Sucher zu schauen, wenn das Objektiv weit genug ist, geht auch peilen und abdrücken. Umgekehrt lassen sich mit den weit öffnenden längeren Objektiven (Blende 1.4 bis 2.8, 50, 85, 105, 200 mm) wunderbar Portraits schiessen, mit einer ganz flachen Schärfeebene und wunderbar weichem und verschwommenem Hintergrund.

Die Kamera macht heute auch nicht mehr den geringsten Eindruck auf anderen Menschen. Man kann fast direkt draufhalten, es gibt kaum jemanden, der wegläuft oder abwehrt, irgendwie wird die kleine silberne (oder schwarze) Kamera im Vergleich zu den DSLR-Boliden mit den riesigen Frontlinsen einfach nicht mehr ernst genommen.

Kauf

Da die FM2n nun schon einige Jahre nicht mehr produziert wird, muss man beim Kauf die übliche Vorsicht walten lassen. Auch kann es sinnvoll sein, etwas Geld für eine Überholung einzuplanen, bei der die mechanischen Komponenten gereinigt, justiert und geprüft sowie die Dichtungen am Gehäuse ersetzt werden. Ich persönlich bevorzuge Modelle, die nicht mit Motor betrieben wurden, da sie in der Regel mechanisch weniger belastet wurden. Silberne Modelle sind in der Regel etwas günstiger zu bekommen als schwarze, die mit einem Titan-Gehäuse ausgestatteten Modelle FM2/T dafür um so teurer, zumal sie auch relativ selten sind. Ebenfalls sehr teuer sind Exemplare des Sondermodells, das Nikon zur Jahrtausendwende produziert hat. Inhaltlich unterscheiden sich weder die Titan- noch die 2000er-Modelle von den normalen FM2 und FM2n, so dass, wer einfach nur fotografieren will, mit dem Standardtypen ohne Einschränkungen billiger fährt.

Föhnhimmel - FM2n, 24mm f/2.8, Ektar 100
Föhnhimmel - FM2n, 24mm f/2.8, Ektar 100
Föhnhimmel - FM2n, 24mm f/2.8, Ektar 100
Föhnhimmel - FM2n, 24mm f/2.8, Ektar 100


Fazit

Die FM2n von Nikon ist ein kleines Goldstück. War sie bis ca. 2006 noch sehr teuer zu finden, so hat der Verfall der analogen Fotografie zu Preisen im Bereich um 200 EUR für gut erhaltene Exemplare gesorgt. Sicher kommt sie nicht so häufig zum Einsatz, das meiste ist nun mal digital, aber auf Reisen oder auch im eher künstlerischen Bereich ist die Kamera mit ihren kleinen Abmessungen, der Unauffälligkeit und der Robustheit optimal. Unter Expeditionsbedingungen, d.h. ohne Strom und unter widrigen Umständen, ist sie ein optimaler Begleiter. Sie funktioniert ohne Batterie, wenn es sein muss, und ihr einziges Manko sind die fehlenden Dichtungen gegen Staub und Regen. Vor allem reagieren die meisten Menschen sehr viel weniger scheu auf diese kleine Kamera. Sicherlich ist sie nicht so leise wie eine Leica M, der Spiegelschlag ist schon sehr deutlich zu hören, aber insgesamt sieht die Kamera eher niedlich als bedrohlich aus, was diese Situationen sehr viel einfacher macht.

Auch Einsteigern in die ernsthafte Fotografie würde ich die FM2n als Kamera für eine grundlegende Lernphase empfehlen: zwar vereinfacht die sofortige Rückmeldung und Bildkontrolle der DSLRs das Lernen der fotografischen Zusammenhänge, die Vielzahl an Einstellmöglichkeiten an diesen Kameras macht ein Teil des Effektes aber wieder zunichte, da die Abhängigkeiten der Parameter zu komplex sind. Den optimalen Lerneffekt erzielt man mit der FM2n und Diafilm: kein Labor, keine Bildschirm- oder Scanner-Einstellung pfuschen einem ins Handwerk, lediglich die Eigenschaften des Films beeinflussen das Ergebnis, und natürlich die grundlegenden Einstellungen Zeit, Blende und Entfernung. Gebrauchte Diaprojektoren finden sich günstig und in rauhen Mengen.

Die FM2n und ihr Nachfolger und letzter Mohikaner dieser Reihe, die FM3a, stellen eine der besten und günstigsten Möglichkeiten zur Nutzung des riesigen und qualitativ hochwertigen Arsenals an neuen und gebrauchten Objektiven von Nikon und neu auch Zeiss sowie Voigtländer dar. Diese Geräte werden bei guter Pflege noch funktionieren (und vom Feinmechaniker repariert werden können), wenn die vielen digitalen Fotocomputer unserer Tage längst den Weg alles Irdischen gegangen sein werden.

Eigentlich sollte jeder ernsthafte Fotograf eine solche Kamera besitzen, und sei es nur, um sich der Grundlagen der Fotografie bewusst zu bleiben und hin und wieder einen guten alten Film einlegen zu können.

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